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Warum wir so oft über unsere Kraft gehen - und was dagegen hilft

13.12.2019

In meinem Morgenimpuls bei Instagram spreche ich heute darüber, warum ich noch vor nicht allzu langer Zeit nicht hätte täglich vor der Kamera stehen können. Meine "Laune" war zu unzuverlässig, es gab zu viele Tage in meinem Leben, an denen einfach gar nichts ging. An denen ich mich auf mich selbst nicht verlassen konnte. An denen ich einfach nicht funktionierte.

Ich habe noch nie darüber gesprochen, weil mir diese "Schwäche" peinlich war. Ich hielt sie für unprofessionell. Wer sollte mit mir arbeiten wollen, wenn ich so unzuverlässig bin? Inzwischen weiß ich, es ist menschlich. Ich habe ein Recht dazu, nicht immer zu funktionieren. Und sicher gibt es da draußen noch mehr Menschen, denen es genauso geht, und die vielleicht auch denken, dass etwas mit ihnen nicht stimmt ...

Doch woher kommt dieses Gefühl, dass nichts mehr geht? Eine der Ursachen scheint zu sein, dass wir über unsere Kraft gehen. Das ist nicht die ganze Wahrheit, aber heute will ich mich mit diesem kleinen Puzzleteil befassen.

Was bedeutet das, über die Kraft gehen? Für mich heißt das, Dinge zu tun, obwohl ich sie nicht tun will. Obwohl sich alles in mir dagegen sträubt. Oder Dinge zu tun, obwohl mir die Energie dazu fehlt. Obwohl ich eigentlich gerade etwas anderes brauche. Obwohl es mir nicht gut geht.

Je öfter wir das tun, desto weniger Kraft haben wir, desto öfter gehen wir über unsere Kraft ... das ist der erste Teufelskreis.

Der zweite zeigt sich mir, wenn ich mir genauer anschaue, woher das kommt.

Wir alle haben gelernt - und es wird derzeit von vielen Erfolgstrainern und Coaches sehr hoch gehalten - wir sind "unseres Glückes Schmied". Wenn wir den hoch hängenden Apfel haben wollen, müssen wir uns danach recken. "Keine Arme, keine Kekse". Wer im Leben was erreichen will, muss sich anstrengen.

So glauben wir umgekehrt, wenn wir vor einer Herausforderung stehen, dass wir nur noch nicht genug tun, wissen, können oder eben "falsch" sind. Wir glauben, wenn wir uns nur noch besser im Griff hätten, unsere Zeit besser managten, mehr oder besser arbeiten würden, dann wäre das Problem gelöst.

Wir werden zu Disziplin und Verantwortung und Eigeninitiative und Ehrgeiz erzogen.

Wenn das Business nicht gut genug läuft, dann sind wir eben noch nicht genug commitet, dann haben wir noch nicht genug über Marketing gelernt, dann müssen wir eben mehr tun. Uns noch spitzer positionieren, oder unsere Leistungen noch besser erklären, oder noch schönere Websites erstellen. Oder noch einen Kurs belegen, uns einen Coach buchen, mehr SEO machen. Am besten natürlich alles gleichzeitig.

Wenn unsere Partnerschaft nicht so gut läuft, dann müssen wir eben mehr reden, und mehr Verständnis haben, und eine Partnerberatung besuchen. Dann müssen wir uns eben ändern, so dass wir nicht mehr so leicht zu triggern sind, unser inneres Kind mit einbeziehen, mehr meditieren ...

Überall wird uns suggeriert, was auch immer wir im Leben erreichen wollen, wir haben es in der Hand. Es liegt alleine an uns, ob wir es schaffen oder nicht. Wenn wir auf diesen Zug nicht aufspringen, dann sind wir kein Schöpfer, sondern ein Opfer, und werden es wohl nie schaffen.

Ich finde diese Sicht auf das Leben sehr stressig, und ich werde dir auch noch sagen, warum.

Doch zuvor möchte ich den Kreis schließen, sonst wäre es ja kein Teufelskreis 😈

Bereits ganz früh in der Kindheit werden wir darauf konditioniert, auf das zu schauen, was noch nicht so gut läuft. Wir werden mit dem Näschen in die Dinge getunkt, die wir besser machen können, die wir falsch machen, die andere besser drauf haben. Wir lernen, uns kontinuierlich und strategisch immer weiter zu verbessern - und dass wir das nur können, indem wir uns auf das fokussieren, was schlecht läuft.

In der Schule sind meistens die Fächer Thema, in denen wir nicht so gut sind. Hierüber sprechen die Lehrer mit den Eltern, mit sorgenvoller Miene. Hier bekommen wir Nachhilfe. Hier wird besonders darauf geachtet, dass wir die Hausarbeiten machen.

So leben wir unser Leben, immer mit unseren Problemen und Herausforderungen im Blick. Sonst können wir uns schließlich nicht verbessern, oder?

Rückblickend sehe ich, dass auch in meinem Business meine ganze Aufmerksamkeit über ein Jahrzehnt lang vor allem auf den Bereichen lag, die nicht liefen. Und ist es nicht in allen anderen Bereichen des Lebens ebenso? In der Partnerschaft, in der Kindererziehung, in unserem Haushalt, in der Politik, beim Einkauf? Achte mal darauf, wie oft am Tag dir Dinge bewusst werden, die verändert werden sollten.

Und da schließt sich der Kreis: Denn wer soll es verändern, wenn nicht ich?

Ganz schnell sind wir in einer Tretmühle an noch mehr Herausforderungen ➜ noch mehr tun ➜ noch mehr Herausforderungen, bis wir irgendwann aus der Spur fliegen.

Ich habe hier inzwischen sehr viele Stellen gefunden, an denen ein Ausstieg aus diesem Teufelskreis möglich ist. Zwei davon möchte ich heute mit dir teilen.

Da ist zunächst der Gedanke, eine Herausforderung ist immer eine Aufforderung an uns, etwas Neues zu lernen, zu tun oder uns zu verändern. Kommt der dir bekannt vor?

Ich weiß heute, er ist nicht wahr. Eine Herausforderung bedeutet immer erstmal nur, dass etwas anders ist, als unser Verstand uns einredet, wie es sein sollte. Doch was weiß unser Verstand schon? Gibt es nicht unendlich viele Dinge im Leben, die unser Verstand überhaupt nicht erfassen kann? Wie will er da wissen, was sein sollte? Was wirklich das Beste für uns ist?

Wenn wir uns hier von unseren Vorstellungen lösen, wenn wir es schaffen, unseren Gedanken, wie etwas sein sollte, nicht mehr zu viel Gewicht zu geben, dann können wir unsere Aufmerksamkeit von der Herausforderung abziehen. Wir können sie den schönen Dingen des Lebens widmen. Den Dingen, die wir schon haben, denn das sind meistens viel mehr, als uns bewusst ist.

Wenn uns das gelingt, können zwei wunderbare Dinge geschehen: Erstens erscheint uns die Welt auf einen Schlag nicht mehr so düster und trostlos, als wenn all unsere Aufmerksamkeit auf dem Problem liegt. Das alleine ist eine so wunderbare Erfahrung, wenn wir feststellen, wie wunderbar das Leben ist (was wir aber nicht sehen konnten, weil das Problem uns die Sicht versperrte).

Zweitens verschwinden viele Probleme von alleine, wenn wir ihnen keine Aufmerksamkeit mehr schenken. Glaub mir, das ist wirklich so, ich habe es ausprobiert. Wenn wir die Aufmerksamkeit = Energie von dem Problem abziehen, kann es sich auflösen.

Ok, nicht immer. Aber für ein paar Mal lohnt es sich doch, das zu testen, oder.

Was aber noch einen viel größeren Shift für mich brachte, war die Erkenntnis - ich kann mich noch so sehr anstrengen, wie es am Ende ausgeht, bestimme nicht ich. Ich kann es nicht kontrollieren, auch wenn ich es noch so sehr will. Und je mehr ich das erkenne, desto mehr sehe ich, dass es eine Intelligenz hinter allem gibt, die viel größer ist als ich. Die alles steuert und regelt und immer wieder eine wunderbare Harmonie herstellt.

Wenn ich aufhöre, die Dinge kontrollieren zu wollen, kann ich mich dieser höheren Intelligenz hingeben. Ich kann immer mehr vertrauen, dass sich alles zu meinen Gunsten entwickeln wird. Ich kann mich entspannen. Ich muss gar nicht so viel tun, um etwas zu erreichen. In Wirklichkeit liegt es nicht in meiner Macht. Und je mehr ich aufhöre, den Dingen hinterher zu rennen, desto mehr kommen sie freiwillig zu mir. Von ganz allein.

Auch das habe ich ausprobiert. Und es funktioniert.

Es gibt keinen Grund, gestresst zu sein. Es gibt keinen Grund, schneller und schneller zu rennen. Es gibt keinen Grund, alles kontrollieren zu wollen. Es wird uns eh niemals gelingen.

Wenn wir stattdessen auf die Bremse treten, uns selbst wieder mehr respektieren, uns gut um uns kümmern, und dann unseren Impulsen folgen, wird vielleicht nicht das passieren, was wir wollten.

Aber was viel Besseres.

💖 Bettina

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Kategorien: Entspanntes Business | Schlagworte: Burnout, nicht stressen lassen, Teufelskreis

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