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Du kannst nicht loslassen? Das ist ok.

06.08.2019

Eigentlich hatte ich heute ein anderes Thema geplant. Doch das Leben hat andere Pläne.

Lass uns heute über das Loslassen sprechen, und warum es uns so oft nicht gelingt, obwohl wir uns doch so sehr bemühen.

Mein Ziel für diese Website war es, dass ich mich noch mehr zeige. Noch persönlicher werde. Nun denn ...

Es geht bei mir jetzt ganz konkret um Schuldgefühle. Du kannst an dieser Stelle aber alles einsetzen, was DU nicht loslassen kannst. Konflikte. Einen Job. Deinen Liebsten. Bei mir geht es wie gesagt um Schuld.

Noch konkreter: Es ist eine Situation, in der es einem anderen Wesen schlecht geht. Ich will helfen. Aber ich kann nichts tun. Es fällt mir schwer, das zu akzeptieren. Es fällt mir schwer, das zu glauben. Und vor allem stürzt mich dieses Nichtstun in massive Schuldgefühle, die ich doch eigentlich nicht mehr haben will.

Schuldgefühle sind etwas, das mich schon ein Leben lang begleitet. Was ich nach und nach schon erfolgreich loslassen durfte. Doch offenbar gibt es da noch etwas in mir, das ich noch nicht auflösen konnte.

Ich weiß, dass diese Situation da ist, damit ich lerne, die Schuldgefühle noch mehr loszulassen. Ich hatte dieses Jahre schon mehrfach ähnliche Situationen. Ich will, dass das ein Ende hat, ich will so eine Situation in Zukunft nie, nie wieder. Du kannst dir vorstellen, wie dringlich es für mich ist, diese Schuldgefühle loszulassen. Meine Lektion zu lernen, um so Schlimmes in Zukunft zu vermeiden.

Ich probiere verschiedene Strategien. Zuerst rede ich mit mir, sage mir, dass ich nicht anders handeln kann, dass ich alles getan habe, was in meiner Macht steht - und glaube mir nicht.

Der Verstand sagt, man kann immer was tun. Du musst halt noch ein bißchen mehr nachdenken. Und dann macht er hundert Vorschläge, die alle nur blindem Aktionismus entsprechen.

Mein Herz weiß, keiner dieser Vorschläge macht irgendwas für einen von uns beiden besser (außer vielleicht für meinen Verstand, der dann beruhigt ist).

Ich versuche, dem Ganzen auf die Spur zu kommen, grüble darüber nach, wo die Schuldgefühle ihren Anfang genommen haben, was ihr Hintergrund ist, aber auch das bringt mich kein Stück von ihnen weg.

Ich versuche, nicht mehr hinzuschauen, mich abzulenken, aber du kennst das bestimmt - das funktioniert auch nicht. Hartnäckig kommen die Dinge, die wir gerade nicht sehen wollen, die uns Energie fressen und schlechte Gefühle machen, immer wieder in unser Bewusstsein. Oder sie rumoren im Hintergrund und kosten uns viel Kraft.

Bei mir ist die Schuld immer auch mit körperlichen Symptomen verbunden, die zusätzlich unangenehm sind.

Warum nur ist das Loslassen so schwer?

Die Antwort ist banal: Weil wir nicht loslassen, sondern es weg haben wollen.

Loslassen bedeutet nämlich eigentlich, die Dinge sein zu lassen, wie sie sind. Aus dem Widerstand, aus dem Kampf herauszutreten, und die Situation zu akzeptieren. Und genau das fällt mir unheimlich schwer. Vielleicht, weil ich gelernt habe, dass ich immer was tun muss. Dass man auch immer was tun kann. So hat man mir das beigebracht. Ich denke, dass ich noch nicht genug tue. Und dann will ich etwas tun und fühle mich ohnmächtig. Unzulänglich. Und eigentlich weiß ich, dass ich nichts tun kann und es akzeptieren sollte. Frage mich, warum ich es nicht kann. Ich habe auch Angst, was falsch zu machen. Die Signale, meine innere Stimme, falsch zu deuten. Und so bin ich zerrissen, gefangen in meinem inneren Konflikt, was die eigentlich schon schlimme Situation noch schlimmer macht.

Loslassen jedoch heißt, ich könnte entspannt in die Zukunft schauen und wissen, dass eine solche Situation wieder eintreten wird - und dennoch entspannt und fröhlich sein. Weil sie nämlich zum Leben dazu gehört. Weil ich es akzeptieren kann. Weil ich es nicht auf mich beziehe, weil ich keine Schuld mehr empfinde, sondern einfach aus dem Herzen heraus tue, was ich für gut und richtig und hilfreich halte. Weil ich dem Leben als höhere Instanz vertraue und nicht mehr alles kontrollieren muss. Weil ich die Verantwortung für die Situation aus meinen Händen in die Hände des Lebens gebe - wo sie viel besser aufgehoben ist. Weil ich weiß, ich darf das. Ich darf Verantwortung abgeben. Weil ich dann mit Leichtigkeit und Freude durch das Leben gehen kann, obwohl es anderen schlecht geht. Weil es nämlich den anderen nicht hilft, wenn es mir dann ebenfalls schlecht geht.

Das alles sehe ich. Ich erkenne es als meine bessere, leichtere, freihere Zukunft. Doch dazwischen steht eine Mauer. Die ich unbedingt erklimmen, einreißen will. Oder - entsprechend meinem Sternzeichen - mit dem Kopf durch.

Doch die Mauer kann erst verschwinden, wenn ich akzeptiere, dass sie da ist. Ich schreibe mit Absicht "kann", denn wenn ich sage "die Mauer wird verschwinden", dann bin ich wieder so auf das Ergebnis fixiert. Es geht im Leben nie darum, ein Ergebnis zu erreichen, sondern immer darum, etwas zu lernen. Es geht immer um den Weg. Um das Sein.

Es geht darum, die Dinge zu akzeptieren, die sind. Sie voll anzunehmen.

Und zwar alles.

Auch, dass wir nicht loslassen können.

Ich habe Schuldgefühle. Das ist ok. Ich habe Angst, die falschen Entscheidungen zu treffen. Das ist ok. Ich kann manchmal nicht hinschauen. Das ist ok. Ich würde mich am liebsten ablenken. Auch das ist ok. Alles, was ich gerade bin und denke und fühle, ist ok. Ich bin genug.

Ich sage das nicht nur so. Ich fühle. Ich fühle, wie sich meine Schuld anfühlt. Vor allem in meinem Körper. Wo sitzt sie? Wie sieht sie aus? Welche Farbe? Ich nehme wahr, wie ich mich ablenke. Es ist ok. Auch dass ich nicht so viel Energie habe wie an anderen Tagen, akzeptiere ich. Und dass ich deshalb vermutlich nicht alles schaffen werde, was ich mir für heute vorgenommen habe.

Es ist ok, weil ich mich heute vorrangig um mich kümmern darf (ja, auch wenn es gerade jemand anderem schlecht geht, kümmere ich mich immer erstmal um mich - das ist Selbstliebe, kein Egoismus, und außerdem ein lebensnotwendiger Grundsatz). Ich höre mir zu, wie ich mit mir spreche. Ich habe hohe Anforderungen an mich. Hohe Erwartungen. Höher als jeder andere Mensch. Ich sollte mich selbst mehr lieben und respektieren. Doch Selbstliebe kannst du nicht willentlich herbeiführen, sondern erst, wenn du auch das akzeptierst, dass du nicht immer nett zu dir bist.

Wenn ich mich verurteile, und dann dafür verachte, dass ich mich verurteile, dann bin ich in einer Dauerschleife gefangen.

Wenn ich dagegen akzeptiere, dass ich mich verurteile, wenn ich das wahrnehme und auch fühle, was es mit mir macht, dann habe ich die Chance, daran zu wachsen.

Alles kann sich immer erst auflösen, wenn wir es voll annehmen. Wenn es da sein darf.

Wenn du nicht loslassen kannst, dann ist das ok. Du bist genug.

Kategorien: Entspanntes Business | Schlagworte: Du bist genug, Ja-Sagen, Kampf loslassen, keine Angst vor Fehlern, Schuldgefühle, Wachstum

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