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Design als Kontest? Meine Erfahrungen mit 99designs.

03.05.2019

Sommer 2018. Das Brainstorming-Meeting mit Maren Martschenko für RobinGrips® war durch. Damit stand der Name für unser neues Website-System endlich fest. Der nächste Schritt war nun das Design, genauer das Logo und die Farben.

Ich wollte das nicht selbst machen. Klar, ich kann ziemlich kreativ sein. Ich hatte auch eine Idee, was die Farben betrifft. Aber erstens ist man bei eigenen Dingen ja oft viel zu verliebt und betriebsblind, und zweitens ist Logo-Design nun nicht wirklich meine Stärke.

Nun hatte ich die Wahl: Einen bestimmten Designer beauftragen, oder einen Design-Kontest ausschreiben. Für Letzteres gibt es ja inzwischen diverse Plattformen, da kannst du dein Projekt ausschreiben und erhältst zum Festpreis mehrere Vorschläge verschiedener Designer. Am Ende entscheidest du dich für einen, mit dem du dein Projekt final umsetzt.

Designer oder Kontest?

Ich befürchtete, wenn ich einen einzigen Designer beauftrage, auch nur einen einzigen Vorschlag zu erhalten. Zudem musste ich dazu genau wissen, was ich will, und es auch gut ausdrücken können, weil sonst Gefahr bestand, dass es völlig in die falsche Richtung geht (war meine Angst).

Und hinzu kommt: Viele Köpfe haben viele Ideen.

Ich entschied mich also für den Kontest, und unter den verschiedenen Plattformen für 99designs.de, unter anderem aufgrund der deutschen Sprache. Denn der Plan war, dass der Designer, der am Ende den Zuschlag erhält, anschließend weiter mit uns arbeitet. Mit einem Logo ist es ja nicht getan, da wollen Website, Visitenkarte, ggf. ein Maskottchen entworfen werden. Und das wollte ich dann möglichst in meiner Muttersprache tun, weil ich da am besten beschreiben kann, worauf es mir ankommt, was mir an den Entwürfen noch nicht gefällt etc.

Um es vorweg zu nehmen - der Design-Kontest war ein ziemlicher Reinfall. Aber auch Reinfälle sind immer für irgendwas gut, ich hab was draus gelernt - und ich möchte dir hier meine Erfahrungen schildern. Dann hast du auch noch was davon, wenn du auch gerade mit dem Gedanken spielst, ob solch ein Kontest was für dich ist oder nicht.

Design-Entwürfe zum Festpreis

Zunächst das Wichtigste: der Preis. Es gibt für alle Dinge, die du entwerfen lassen kannst, Festpreise. Mein Tipp: Fang erstmal bei was Kleinem an, wenn du es testen willst. Grundsätzlich hast du dann zwei Möglichkeiten. Du kannst eine Gewinngarantie geben oder nicht. Wenn du keine gibst, brauchst du am Ende nichts bezahlen, wenn nichts dabei ist, was dich wirklich befriedigt. Dann gibt es eben keinen Gewinner. Aber es kann auch passieren, dass du am Ende keine Entwürfe bekommst. Wer soll sich schon für dich ins Zeug legen, wenn du noch nichtmal versprichst, dass du dich am Ende definitiv für einen Entwurf entscheidest?

Weil ich keine Lust auf fünf Entwürfe hatte, sondern lieber auf fünfundzwanzig, hab ich die Gewinngarantie gegeben. Ich überlege gerade, ob es nicht auch möglich gewesen wäre, diese nachträglich zu geben, wenn niemand an meinem Wettbewerb teilgenommen hätte ... spielt jetzt aber keine Rolle mehr. Heute würde ich es allerdings anders machen.

Der Kontest selbst läuft nur sehr kurz, ca. 7 Tage. Das war aber sehr nach meinem Geschmack, denn ich bin von Natur aus ungeduldig. Allerdings hab ich nach Ablauf der Zeit durch eine Anfrage beim Support den Kontest nochmal um dieselbe Zeit verlängert, weil mir die Entwürfe alle noch nicht so richtig gefallen haben. Es lag ja auch das Wochenende dazwischen, und dann muss man ja die Entwürfe auch anschauen und bewerten und beantworten und schreiben, was man sich noch anders wünscht. Das alles nimmt ziemlich viel Zeit in Anspruch, so dass für mich die 7 Tage schon eine ordentliche Herausforderung waren.

Entwürfe oder nur angepasste Vorlagen?

Die ersten Entwürfe kamen recht schnell nach Veröffentlichung des Projekts, allerdings auch in entsprechender (minderer) Qualität. Die meisten beschränkten sich darauf, die Initialen (R + G) in verschiedenen Schriften unterschiedlich ineinander zu verhakeln.

Ich glaube, am ersten Tag habe ich sämtliche Entwürfe abgelehnt und ein mega schlechtes Gewissen dabei gehabt. Was passiert eigentlich, wenn man Gewinngarantie gibt und am Ende keine Entwürfe übrig bleiben, die gewinnen könnten?

Man kann dann aber jedem Designer Verbesserungsvorschläge und Kritik zu seinen Entwürfen schreiben. Das tat ich, daher wurde es ab Tag 2 etwas besser. Die Entwürfe wurden etwas liebevoller, detaillierter, abwechslungsreicher. Allerdings muss man hier aufpassen - eine gute Bewertung an einem Entwurf hat zur Folge, dass direkt sehr viele ähnliche Entwürfe von anderen Designern folgen.

Irgendwann erschien zwischen all den Initialen eine Eule, und das fand ich so spektakulär und innovativ, dass ich direkt ganz viele Sterne vergeben habe. Das sehen natürlich auch die anderen Designer, denn meine Bewertungen, die ich für jeden einzelnen Entwurf abgeben kann, zeigen ihnen, was mir gefällt und was nicht. Das Ergebnis: Eine Flut von Eulen. Waaa.

Und dann entdeckte ich die Nachrichten-Funktion, mit der man allen Designern eine Nachricht senden kann. So schrieb ich an alle, dass ich grundsätzlich ein Tier im Logo nicht schlecht finde, und dass es aber nicht unbedingt eine Eule sein muss. Wie wäre es z. B. mit einem Fuchs?

Das Ergebnis: Eine Flut von Füchsen ...

Noch viel schlimmer als die allgemein mangelnde Kreativität und Individualität war jedoch, dass 99% der Designer Englisch sprachen, und das oft noch nicht mal wirklich gut. Anfangs hab ich mir Mühe gegeben, auf Englisch zu antworten, aber irgendwann war ich es leid und schrieb auf Deutsch. Schließlich war das für mich nicht Sinn der Sache, dass ICH mich an den Designer anpasse!

Ich weiß nicht wie, vermutlich haben sie Google Übersetzer verwendet, aber sie haben mich alle trotzdem ganz gut verstanden.

So kamen weit mehr als fünfundzwanzig Vorschläge zusammen. Leider nicht alle unbedingt so, wie ich es mir vorgestellt habe ... aber damit muss man auf solch einer Plattform dann wohl rechnen.

Das dicke Ende ...

Das dicke Ende kam dann noch. Nach der Verlängerung musste ich mich für meinen Favoriten entscheiden. Du kannst dann mehrere Favoriten wählen und sie nochmal um eine Nachbearbeitung bitten, bis es für dich passt. Ich entschied mich für jemanden, der das Logo ganz nett gestaltet hatte. Zudem hatte er gleich noch ein Maskottchen dazu entworfen. Er freute sich sehr - auf Englisch.

Dann stellte er mir das Logo bereit. Ein Schriftlogo, ähnlich wie wir es jetzt haben. Ich bat ihn um die Schriftart, um damit auch Überschriften auf der Website setzen zu können. Er schickte mir den Link ... Die Schriftart war nur für den privaten Gebrauch, für den kommerziellen war sie nicht zugelassen. Also auch nicht gegen Gebühr. Als ich den Designer darauf aufmerksam machte, meinte er nur, er könne mir das Logo dann auch nochmal in einer anderen Schriftart erstellen. Ich verzichtete dankend, denn auf Abmahnungen wegen Lizenzverstößen habe ich echt keine Lust.

Schlussendlich habe ich mit einer professionellen Designerin das Logo nachgestaltet, wobei sowohl die Schriftart als auch die Farben und damit die Gesamtwirkung angepasst wurden. Sie hat auch das Maskottchen nochmal unter ihre Fittiche genommen und es etwas vereinfacht. Später hat sie uns auch bei der Gestaltung der Landingpage geholfen. Sie kennt die deutschen Gesetze und weiß, welche Bilder und Schriften sie unter welchen Bedingungen benutzen darf. Vor allem aber spricht sie meine Sprache.

Hier siehst du das Ergebnis :)

Für mich ist aber etwas ganz anderes am ärgerlichsten: Der Kontest mit allen Entwürfen ist bei Google ziemlich weit oben zu finden, wenn man nach RobinGrips sucht. Und da sind nicht nur vorteilhafte Entwürfe dabei, sondern auch welche, die unser Image ziemlich kaputt machen können. Beeil dich, wenn du sie noch anschauen willst, denn mein Antrag auf Löschung läuft.

Mein Fazit

99designs kann was für dich sein, wenn du keinen Plan hast, in welche Richtung es gehen könnte. Du brauchst viel Zeit für die Dauer des Wettbewerbs, um die Entwürfe zu bewerten und ihnen ggf. eine neue Richtung zu geben. Letztlich solltest du aber doch schon recht genau wissen, wo du hin willst, sonst wirst du in den Massen der Vorschläge untergehen. Mein Plan, ich würde dank der Kreativität der Masse in die richtige Richtung gelenkt werden, ist nicht so recht aufgegangen. Ich denke, wenn man so gar keinen Plan hat, was man möchte und braucht, läuft man hier echt Gefahr, sich zu verzetteln. Und wenn du kein Gespür für gutes Design hast, rate ich dir dringend von solchen Kontests ab, denn eine Qualitätsgarantie hast du keinesfalls.

Auch meine Idee, viele Köpfe = viel Kreativität, ging nicht auf, denn wirklich kreativ waren die wenigsten. Die meisten haben offensichtlich nur ihre eigenen Vorlagen angepasst oder schnell mal was hingekritzelt. Kann ich aber auch verstehen, weil man als Designer hier ja große Gefahr läuft, für lau zu arbeiten.

Ein Design-Kontest ist auf gar keinen Fall eine Möglichkeit, Geld zu sparen - denn sooo günstig ist es nicht. Erwarte vor allem nicht, dass ein fix und fertiges Logo hinten dabei rauskommt. Das kann natürlich sein, wenn du Glück hast (und man den Referenzen mancher Designer Glauben schenken darf). Aber vermutlich gibt es ganz viele Erfahrungen wie meine, wo die 99designs Entwürfe nur Ideen liefern, eine Art Richtung, in die es weitergehen kann. Weil die Qualität am Ende nicht dem entspricht, was man sich so vorstellt.

Absolutes Nogo war dann allerdings dieses rechtliche Thema. Sichere dich hier gut ab, zumal die meisten Designer nicht in Deutschland ansässig sind. Haftbar bist am Ende du.

Hast du auch schon mal einen Design-Kontest ausprobiert? Wie sind deine Erfahrungen?


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Kategorien: Marketing: SEO & Co. | Schlagworte: Design, Lohnt sich das?, Marke, Testberichte

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