Ich sitze in meinem Garten unter einem Haselnussbusch und schaue den Spatzen zu. Gleich neben meinem Grundstück ist eine KiTa, wo die Kinder gerade lautstark spielen. Pure Lebensfreude.

Dazwischen immer wieder die Stimmen der Erzieher, hauptsächlich im knappen Imperativ: „Komm da weg.“ „Schrei nicht so rum“ „Heb das auf!“ „Hör auf, an der Jacke zu zerren!“

Gehirnwäsche im ganz jungen Alter. Von klein auf lernen wir, was sich gehört und was nicht. Wie laut wir sprechen dürfen, was wir sagen dürfen und was nicht, wie wir uns verhalten sollen. Werden geformt, um in die Masse zu passen. Schön homogen. Kontrollierbar.

In der Schule geht das so weiter, und oft auch nach der Schule noch, in der Ausbildung. Überall müssen wir eine bestimmte Norm erfüllen, uns kompatibel verhalten, damit wir gut ins Bild passen, handelbar sind. Wir haben uns alle angepasst, einige mehr, einige weniger. Einige rebellieren, aber auch Rebellion ist letztlich nur ein antrainiertes Muster, wenn sie sich gegen alles und jeden richtet und nicht hin und wieder hinterfragt wird.

Ich bin nicht gegen Erziehung. Kinder brauchen Führung, um sich in der Welt zurecht zu finden. Aber es darf nicht der Sinn von Erziehung sein, die Individualität abzutrainieren. Ich war z. B. ein Kind, das sich selbst genug war. Ich konnte mich stundenlang mit mir selbst beschäftigen. Eigentlich eine gute Eigenschaft, pflegeleicht. Doch die Erzieher „verloren“ mich hin und wieder, weil ich nicht mit der Masse mitging. Und so kam es, dass mir immer wieder eingeredet wurde, mit mir sei etwas nicht in Ordnung. Ich sei nicht „normal“.

Heute weiß ich, ich bin genauso (wenig) normal wie jeder andere auch. Sind wir nicht eigentlich – im Herzen – alle ein wenig speziell? Und ist nicht genau das so reizvoll an anderen Menschen? Dass jeder die Welt – eigentlich – ein bißchen anders sieht?

Zum Glück können antrainierte Muster auch wieder abtrainiert werden. Dazu bedarf es aber einer hohen Aufmerksamkeit und viel Übung. Es ist ja niemand mehr da, der sagt „Mach dies nicht, mach das nicht“, außer uns selbst. Wenn wir alte Normungen und Formungen ablegen wollen, müssen wir selbst achtsam sein. Oft ist es anfangs gar nicht leicht, Muster überhaupt als solche zu erkennen. Doch im Laufe der Zeit wird es leichter. Das Abgewöhnen dauert auch seine Zeit, schließlich haben wir sie auch über lange Zeit angewöhnt.

Aber es lohnt sich. Unser Leben wird freier, fröhlicher, leichter. Wir werden wieder mehr wir selbst.

Wo funktionierst du, wie du es im Kindergarten gelernt hast? Wo unterdrückst du deine Lautstärke, wo bist du freundlich, obwohl du dich nicht so fühlst, wo zeigst du deine Gefühle nicht – wo bleibst du lieber leise und unsichtbar im Hintergrund? Wo traust du dich nicht, aus einem Impuls heraus zu handeln, deine eigenen Grenzen zu setzen, oder einfach nur zu singen, weil dir danach ist?

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