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Kaninchen, Katzen und wie wir unser Leben einschränken, ohne es zu merken

30.11.2019

Mein Kaninchen hat Angst vor Katzen. Wenn es eine Katze sieht, werden die Augen riesig, der gesamte Fokus liegt auf dem furchteinflößenden Tier und alles steht auf Alarm. Wenn die Katze sich bewegt, klopft es mit seinen Hinterläufen - was "Gefahr" bedeutet - und nimmt panisch Reißaus.

Wer die Szene betrachtet, wundert sich oder ist sogar amüsiert. Das Kaninchen ist fast drei Mal so groß wie die Katze, vor der es sich so fürchtet. Die Angst und Reaktion des Kaninchens erscheinen völlig übertrieben.

Doch lass uns die Zeit ein wenig zurückdrehen. Etwas mehr als ein Jahr.

Da ist das Kaninchen sechs Wochen alt, also gerade mal ein paar Wochen außerhalb seines Nestes unterwegs. Mit seinen Geschwistern erkundet es unschuldig und neugierig die Welt.

Es ist Sommer, ein wunderschöner Tag. Die Kaninchenmama erhält mit all ihren Kindern Ausgang auf die Wiese. Ein Paradies! So viel Platz zum Tollen, man kann verstecken spielen und das grüne Gras schmeckt himmlisch. Schmetterlinge fliegen vorbei, und ein paar Fliegen. Alles ist so aufregend, so neu, so spannend.

Und dann ist da auf einmal dieses große rote Etwas. Kein Kaninchen, etwas anderes. Es nähert sich langsam und springt auf einmal los. Mitten drauf auf das Geschwisterchen, das vor Schreck schreit wie am Spieß.

Die Katze wollte nur spielen, aber für das Kaninchen war es alles andere als lustig. Lebensgefahr. Für immer gespeichert. So dass diese Gefahr jederzeit rechtzeitig erkannt und abgewendet werden kann.

Dieses Erlebnis bleibt im Kaninchen enthalten. Auch wenn es heute gute 5 kg schwerer und mindestens 6x so groß ist. Und es sich bei der Katze um ein Kätzchen handelt. 4 Monate alt. Es will auch nur spielen, aber für das Kaninchen geht es um Leben und Tod.

Wenn wir diese Story kennen, erscheint uns die Angst des Kaninchens verständlich. Auch wenn sie heute nicht mehr angebracht ist.

Und genauso geht es uns Menschen auch. Viele von uns leben mit erlernten Ängsten vor Gefahren aus ihrer Kindheit und reagieren darauf - unbewusst und unverzüglich. 

Meist merken wir das gar nicht, weil dieses Verhalten uns so natürlich und normal vorkommt. Wir können uns an das auslösende Ereignis nicht mehr erinnern. Manchmal sind die Gefahren noch nicht einmal real, sondern unsere Eltern haben uns aus ihrer eigenen Angst heraus darauf nur immer und immer wieder aufmerksam gemacht.

Doch wir haben uns schon immer so verhalten. Wir haben halt Angst. So sind wir eben.

Erst wenn man genauer hinschaut und das Selbstverständliche zu hinterfragen beginnt, merkt man, dass etwas nicht stimmt. Dass die Verhältnisse verschoben sind, dass die Ängste völlig überdimensional zu sein scheinen. Dann wirkt das alles sehr merkwürdig, ja manchmal sogar amüsant.

Allerdings haben die meisten von uns dieses Bewusstsein nicht. Wenn wir drin stecken, kommen wir auch gar nicht auf die Idee, es zu hinterfragen. Es wirkt zu real, zu gefährlich und bedrohlich. Wir spulen unser erlerntes Verhalten ab - Flucht oder Angriff, weil es sich damals bewährt hat. Es ist in unserem Unterbewusstsein abgespeichert.

Als ich vor einem Jahr meine Coaching-Ausbildung antrat, sollten wir uns selbst auch gegenseitig coachen. Das war Teil des Ausbildungsprogramms. Mein erster Reflex war, es gäbe nichts zu coachen, ich war mit allem "durch".

Erst während des Coaching-Prozesses wurde mir bewusst, wie groß meine Angst davor war, andere Menschen um etwas zu bitten. Ich war dem stets ausgewichen, hatte so getan, als wäre ich zu beschäftigt und einfach noch nicht dazu gekommen. Oder ich redete es mir selbst aus, ist doch nicht so wichtig... Aber in Wirklichkeit steckte die Angst dahinter, anderen Menschen zur Last zu fallen. Und falsch zu sein.

Ich wollte mit meinen Anforderungen, die vermutlich völlig überzogen und sowieso falsch waren, andere Menschen nicht nerven. Du kannst dir vorstellen, auf wie viele Bereiche meines Lebens sich das auswirkte - ohne dass ich es wirklich merkte!

Erst mit dieser Erkenntnis konnte ich damit beginnen, mein automatisiertes Verhalten (in dem Fall Flucht) nach und nach zu verändern. Weil ich wusste, dass die Angst erlernt war und aus falschen Gedanken resultierte.

Es ist übrigens egal, was die Ursache war. Wenn wir das wissen, kann es unsere Erkenntnis manchmal vertiefen. Doch ich halte nicht viel davon, zu sehr in der Vergangenheit herumzubohren. Das ändert gar nichts und legt den Fokus auf die falschen Dinge.

Veränderung folgt meist der Erkenntnis. Nur mit Willenskraft lassen sich Themen, die mit unbewussten Gedanken verbunden sind, nicht oder nur sehr schwer auflösen. Im normalen Coaching wäre ich übrigens niemals an diese Themen rangekommen, weil sie mir keine massiven Probleme machten und ich sie einfach für normal hielt. So bin ich halt. Ich habe das nie hinterfragt. Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, mir das genauer anzuschauen.

Wenn du magst, schau mal bei dir: Wo schränkst du dein Leben ein, wo reagierst du nach einem automatischen Muster (Flucht, Angriff, Lähmung)? Hinterfragst es vielleicht nicht, weil es dir so normal erscheint? Wo glaubst du, eben einfach so zu sein (schüchtern, unzuverlässig, aggressiv)? Welche Gedanken könnten dahinter stecken? Und könnte es sein, dass diese Gedanken unwahr sind?

Wenn du die Fragen schriftlich beantwortest, kann das deine Erkenntnisse vertiefen.

Wenn du tiefer tauchen willst, bin ich gerne für dich da. Hier kannst du mich kostenlos auf einen virtuellen Kaffee (oder Tee) treffen.

💖 Bettina


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Kategorien: Entspanntes Business | Schlagworte: Angst, Glaubenssätze, St. Galler Coaching Modell (SCM)®, unbewusste Gedanken

Kommentare

Toni von http://www.einfach-einhorn.de sagt:

02.12.2019 um 19:59:36

Was für eine schöne Anekdote - und toll, wie viel man daraus mitnehmen kann. Es ist faszinierend, wie vielseitig solche kleinen Dinge sein können und wie viel man daraus lernen kann.
Danke, dass du das mit uns teilst!
Liebe Grüße :)

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