Vor etwa zwei Jahren habe ich mir einen Passion Planner bestellt. Vielleicht kennst du diesen genialen Kalender, mit dem man seine Ziele anhand seiner Leidenschaften und Herzenswünsche planen kann. Ich freute mich so sehr darauf, und als er dann kam, fing ich ganz begeistert an, meine Wünsche in die Mindmap zu malen. Alles was mir so einfiel, was ich gerne haben oder machen würde. Anschließend wählte ich den Wunsch aus, der mir am wichtigsten erschien. Und leitete daraus einige wenige Ziele für die Woche ab, ein paar beruflich, ein paar privat.

Es dauerte nicht lange, vielleicht zwei, drei Wochen, dann ließ die Begeisterung nach und machte dem Frust Platz. Dem Frust, der wohl dafür gesorgt hatte, dass ich mir überhaupt einen Passion Planner besorgt hatte. Dem Frust, den ich damals schon seit mehreren Monaten mit dem Thema Zielen verband. Weil ich meine Ziele nicht erreichte.

Lange Zeit machten mir Ziele nichts als Stress und Druck. Weil sowieso immer alles anders kam als geplant, weil ich die Ziele irgendwie neben dem üblichen Tageskram auch noch umsetzen musste, und das dann logischerweise oft nicht schaffte. Um dann am Ende des Planungszeitraums (des Tages, der Woche, des Monats, des Quartals … ich habe wirklich alles probiert!) festzustellen, dass ich wieder nur die Hälfte geschafft habe, oder manchmal noch nichtmal das.

Ziele braucht kein Mensch!

Mit Zielen beschäftige ich mich schon sehr lange. Richtig bewusst arbeite ich aber erst mit Zielen, seit ich selbständig bin. In der Schule, in der Ausbildung, in meinen Jobs und auch im Studium hab ich sie nicht gebraucht. Aber wenn man Unternehmer ist, dann braucht man welche. Das hatte ich gehört, und umgesetzt. Ich wollte schließlich erfolgreich werden. Und ich habe alles Mögliche versucht, es gibt ja tausende Tipps und Beiträge dazu. Ich habe Monatslisten erstellt und mit schönen Bildchen versehen. Ich habe sie gut sichtbar an mein Whiteboard gehangen. Ich habe mir verschiedenste Planer und Kalender besorgt (es gibt ja eine mega Auswahl). Ich habe 90-Tage-Perioden geplant. Ich habe mit Excel gearbeitet. Ich habe jeden Morgen als erste Tat etwas umgesetzt, das mich einem meiner Ziele näher brachte. Ich habe Bücher gelesen, Kurse belegt. Nichts hat wirklich geholfen.

Natürlich hab ich alle möglichen Fehler gemacht: Zu viele und zu große Ziele, die Ziele im Tagesgeschäft vergessen, keine Kontinuität, und die meisten Ziele waren einfach aus der Luft gegriffen und basierten nicht auf einem Gesamtplan, auf einer übergreifenden Strategie. Aber meinen größten Fehler hab ich erst viel, viel später begriffen – dass die Ziele nicht aus dem Herzen kamen. Sondern nur aus dem Verstand. Als ich den Passion Planner bestellte, hab ich das noch nicht gewusst, aber ich muss es wohl geahnt haben. Denn er basiert genau auf diesem Prinzip – zuerst mit den Herzenswünschen verbinden, dann daraus Ziele ableiten.

Bei mir überwog der Frust und es folgte eine Periode, in der ich „ohne Ziele“ experimentierte. Es lief erstaunlich gut. Also nicht besser oder schlechter als mit Zielen, aber wesentlich entspannter. Weil ich nicht irgendwelchen Zahlen hinterher hecheln musste. Das war übrigens noch ein Fehler – Zahlen (Likes, Website-Zugriffe, Newsletter-Anmeldungen, Umsatz) als Ziele zu setzen. Darauf komme ich gleich nochmal zurück.

Aus meinen Erfahrungen mit und ohne Ziele schlussfolgerte ich: Ziele sind nicht meins. Oder mutiger: Ziele braucht doch kein Mensch!

Parallel stieß ich auf einen Online-Kurs, in dem es darum ging, Impulsen zu folgen, der inneren Weisheit zu vertrauen. Ich lernte, immer mehr innezuhalten und Entscheidungen für die nächsten Schritte nicht mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen zu treffen. Das untermauerte meine These – Ziele sind völlig überflüssig.

Ziele haben auch gute Seiten

In meinem Jahresrückblick 2017 hatte ich dann aber ein weiteres Aha-Erlebnis. Ich stieß eher zufällig auf die Ziele, die ich mir am Jahresanfang gesetzt hatte, und stellte erstaunt fest, dass ich einen Großteil davon zwar vergessen, aber dennoch umgesetzt hatte. Und das völlig ohne Druck, ohne Runterbrechen, ohne Hinterherhecheln. Heute weiß ich, das kommt daher, dass das Unterbewusstsein beim Planen dabei ist, und selbst wenn du deine Ziele vergisst, wird es auch ohne dein bewusstes Zutun deine Entscheidungen und Schritte steuern.

Inzwischen arbeite ich wieder mit Zielen, denn ich habe gemerkt, dass sie mir helfen, meinem roten Faden zu folgen. Besonders in Zeiten, in denen es heiß hergeht, ist das wichtig. Wenn du viele Erwartungen von anderen Menschen zu erfüllen hast, kann es passieren, dass deine eigenen Ziele dabei ins Hintertreffen geraten. Ziele helfen dir, auch in hektischen Zeiten Prioritäten zu setzen und deinem Weg zu folgen.

Außerdem helfen Ziele, der Aufschieberitis (Prokrastination) entgegenzuwirken. Ich schiebe Dinge gern vor mir her, wenn ich zu ihrer Erfüllung meine Komfortzone verlassen muss. Wenn ich noch keinen Plan habe, wie ich es angehe, oder wenn ich über meinen Schatten springen und mich zeigen muss. Wenn ich dazu etwas tun muss, das ich nicht so gerne mache, wie z. B. mich in eine neue Software einzuarbeiten.

Naja, und sicher kennst du auch das tolle Gefühl, wenn ein Ziel erreicht wurde. Wie kann ich wissen, ob ich voran gekommen bin, wenn ich mir keine Ziele setze? Wie kann ich wissen, dass ich meinen Herzenswünschen, meiner Passion näher gekommen bin?

Was ich heute anders mache

Das alles sind Gründe, die mich in den letzten Wochen wieder bekehrt haben. Ich setze mir wieder Ziele. Aber ich mache dabei dennoch einiges anders:

  1. Am Anfang steht immer mein Warum. Was ist meine Mission auf dieser Erde, und was kann ich konkret tun, um diese Mission noch ein bißchen besser zu erfüllen? Nur so finde ich Ziele, die mich glücklicher, erfüllter und zufriedener machen. Kennst du dein Warum noch nicht? Lass es uns finden.
  2. Ich beschränke mich auf maximal drei Ziele. Denn mehr kann ich keinesfalls überblicken. Je mehr Ziele, desto größer ist die Gefahr, dich zu verfransen. Teilweise arbeite ich mit dem einen Ziel, also ein einziges Ziel, insbesondere wenn ich meinen Tag plane. Nämlich das, was wirklich am allerwichtigsten ist. So stelle ich sicher, dass ich mich nicht überfordere, und das ich wirklich das allerwichtigste am Ende des Tages umgesetzt habe.
  3. Ich plane realistischer (kleiner). Ziele sollen ehrgeizig sein, hört man immer wieder. Ich fahre besser damit, wenn ich Ziele in kleine, überschaubare Häppchen zerteile. Die ich locker schaffe. Was nicht bedeutet, dass ich nicht auch mal über meinen Schatten springen muss. Aber es darf ein kleiner Sprung sein. Das ist für mich wichtig, weil ich dazu neige, mich zu überfordern. Auch mit kleinen Schritten komme ich dem großen Ziel näher. Zudem hab ich gemerkt, dass es mich beflügelt, wenn ich ein Ziel erreiche, so dass ich oft freiwillig noch einen draufsetze, wenn dafür noch Zeit und Energie da ist.
  4. Ich plane keine Zahlen. Umsatz, Gewinn, Newsletter-Abonnenten, das sind alles abstrakte Dinge, die ich nicht direkt beeinflussen kann. Die Frustgefahr ist entsprechend hoch. Stattdessen überlege ich – ich möchte meine Newsletter-Zahlen verbessern. Was kann ich ganz konkret dafür tun? Und genau das kommt auf meine Liste.

Wichtig ist mir dabei immer meine Freiheit und Flexibilität. Ziele sind nichts, was in Beton gegossen ist. Denn mein eigentliches Ziel ist es, meine Vision zu erreichen. Daher mache ich immer wieder den Realitäts- und Sinnhaftigkeits-Check. Ist das noch mein Ziel? Bringt mich das meinem Herzenswunsch näher? Macht es noch Sinn? Und falls da auch nur leise Zweifel bestehen … spar ich meine wertvolle Lebenszeit und gehe lieber etwas an, das mir sinnvoller erscheint.

Auf diese Art und Weise sind Herzensweisheit und Verstandeslogik ideal miteinander verknüpft und können sich gut ergänzen.

Wie sind deine Erfahrungen mit Zielen? Setzt du dir welche, nutzt du Tools? Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen!

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