In der Jahres-Challenge im Januar geht es um das Ja-Sagen, und um das Akzeptieren der Dinge, wie sie sind. Kann ich auch zu Fehlern Ja sagen? Oder ist das der erste Schritt zur Gleichgültigkeit?

Wir hatten die Diskussion letzte Woche im Team. Mir ist nämlich bewusst geworden, wie unentspannt ich Fehlern gegenüber bin. Dabei dachte ich eigentlich, ich ginge damit schon offen um. Aber etwas in mir sträubt sich bei dem Gedanken, dass ein Fehler passieren könnte.

Als wir im Team darüber sprachen, über den offenen Umgang mit Fehlern, und über das Ja-Sagen in diesem Zusammenhang, kam der Einwand hoch, dass man sich doch ärgern müsse, wenn ein Fehler passiert. Sonst passiert er immer wieder, oder – noch schlimmer – es wird einem irgendwann völlig egal, ob ein Fehler passiert oder nicht.

Aber ist das wirklich wahr? Muss man sich über Fehler ärgern, um in Zukunft vermeiden zu können, dass sie passieren? Oder anders herum – werden einem Fehler zwangsläufig egal, wenn man sich nicht mehr darüber ärgert?

Das ist ein sehr ambivalentes Thema, denn wenn ich zugebe, dass ich Fehler toleriere, kann das so wirken, als wäre ich nachlässig. Als wäre mir die Qualität unserer Arbeit nicht wichtig. Ich merke das, während ich hier schreibe. Meine Angst, einen falschen Eindruck zu erwecken. Weil mein Anspruch hoch ist, und ich auch so gesehen werden will.

Aber bedeutet Qualität wirklich Fehlerfreiheit? Ich habe mal gelernt, Qualität entsteht vor allem durch stetige Verbesserung. Und die setzt eben auch Fehler voraus. Durch Fehler lernt man. Vorausgesetzt, der Fehler wird erkannt. Und angesehen. Nur dann können wir daraus lernen.

Vielleicht kennst du diese Geschichte, die ich meinem Team in diesem Zusammenhang gerne erzähle: Ein Marketing-Manager macht einen Fehler und setzt eine Million Dollar in den Sand (oder sogar mehr). Sein Chef zitiert ihn anschließend in sein Büro. Mit hängendem Kopf kommt er herein. Der Chef sagt – was meinen Sie, was ich jetzt mit Ihnen machen soll? Darauf der Manager, vorsichtig: Feuern? Und der Chef darauf: Sind Sie wahnsinnig? Jetzt, wo ich eine Million Dollar in Ihre Ausbildung investiert habe?

Und genau so ist es ja: Wir lernen aus Fehlern. Schneller und leichter als durch Kopieren anderer Menschen, durch Lesen oder sonstwas. Es gibt ja diesen Spruch – wer nichts macht, macht nichts falsch. Und wer etwas macht, der läuft ständig Gefahr, etwas falsch zu machen. Ständig.

Und wer immer Angst vor Fehlern hat, fängt vielleicht gar nicht erst an.

Fehler gehören zum Leben dazu, und wenn sie mit Strafen versehen oder als etwas Schlechtes angesehen werden, werden sie eher totgeschwiegen oder verleugnet. Gerade in unserer Branche, wo viele verschiedene Techniken und somit Dienstleister Hand in Hand arbeiten, ist es leicht, jemand anderem den Schwarzen Peter zuzuschieben, und so zu tun, als sei man selbst makellos. Wir erleben das leider immer wieder, dass sogar dem Kunden die „Schuld“ in die Schuhe geschoben wird. Ich schreibe Schuld in Hochkommata, weil es Schuld in meinen Augen nicht gibt. Die Schuldfrage ist etwas, das uns von klein auf beigebracht wird, und die den Umgang mit Fehlern aus meiner Sicht so schwierig macht. Schuld ist etwas, das unseren Blick auf die falschen Dinge lenkt, und uns von einer konstruktiven Lösung ablenkt.

Wichtiger als die Frage, wer den Fehler verursacht hat, wer also „Schuld“ hat, ist die Frage, wie der Fehler passieren konnte, und vor allem, was wir daraus lernen können, und wie wir diesen Fehler beheben und in Zukunft vermeiden können. Diese Frage stellt sich schneller und offener, wenn man sich nicht darüber ärgert, dass der Fehler passiert ist. Und ich schreibe hier absichtlich immer „passiert“, denn ich glaube nicht, dass jemand absichtlich einen Fehler macht.

Ich bin überzeugt, dass der Wunsch, besser zu werden, sich weiterzuentwickeln, genauso menschlich ist, wie Fehler zu machen. Fehler zu beheben kann auch Spaß machen. Man wächst zusammen und kann vielleicht sogar über manche Fehler lachen. Wenn wir RobinGrips® entwickeln, freuen wir uns über jeden Fehler, der uns gemeldet wird. Wir freuen uns nicht darüber, dass er passiert ist. Aber wir freuen uns darüber, dass der Fehler erkannt wurde und wir nun die Chance haben, ihn zu beheben und damit noch besser zu werden.

Sich über einen Fehler zu ärgern, hilft dagegen nicht. Es sorgt nur dafür, dass Fehler unter den Teppich gekehrt werden, Ausreden gesucht oder andere dafür verantwortlich gemacht werden. In jedem Fall verhängt es den Blick für Lösungen und einen konstruktiven Umgang. Und dann gibt es noch einen weiteren wichtigen Punkt. Das menschliche Gehirn lernt mit positiven Emotionen leichter als mit negativen. Bei negativen Emotionen ist es sogar regelrecht blockiert. Aus Fehlern lernen geht also einfacher, wenn man sich nicht darüber ärgert.

Ich glaube nicht, dass jemand absichtlich Fehler macht. Und ich glaube, dass man nur dann Fehlern gegenüber abstumpft, wenn Lösungsvorschläge ungehört verpuffen. Wenn es der Geschäftsleitung egal wird, ob Fehler passieren. Wenn der Drang zur Verbesserung nachlässt. Das wird bei uns nie passieren. Also hören wir doch auf, uns über Fehler zu ärgern! Das frisst nur unnötig Energie.

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