In den letzten Tagen sinnierte ich öfter darüber, woran es eigentlich liegt, dass so viele Beiträge hier von mir es gar nicht über den Entwurfsmodus hinaus schaffen. Eigentlich bin ich mit meinem Schreibstil ganz zufrieden (obwohl es Menschen gibt, da fallen mir die Augen aus dem Kopf vor Staunen, so gut können die das). Ist es wirklich die Angst vor Ablehnung oder davor, dass jemand anderer Meinung ist als ich?

Gestern Abend postete meine liebe Mentorin Uta Nimsgarn ein Live-Video aus ihrer Facebook-Gruppe. Wertewandel. Sie erzählte, dass sie inzwischen 90 – 95 % von sich zeigt. Von dem, was sie bewegt, was sie ausmacht, als Mensch. Und da fiel bei mir der Groschen.

Irgendwann einmal muss ich gelernt haben, wer sich persönlich zeigt, so wie er ist, wirkt unprofessionell. Bewusst kann ich mich an diese Lehre nicht erinnern. Aber sie sitzt: Professionalität und Mensch passen in meinem aktuellen Mindset (mich betreffend) offenbar nicht zusammen.

Kennt man ja: Die professionellen Menschen in der Bank und Versicherung sehen alle gleich aus. Gleich gekleidet, gleich geschniegelt. Wie die grauen Herren in Momo, dem Roman von Michael Ende.

Ich habe Angst davor, für unprofessionell gehalten zu werden, wenn ich mich hier mit meinen (manchmal etwas schrägen) Gedanken, meinen Ängsten, meinen Sorgen, aber auch meiner Hoffnung und meiner Begeisterung zeige. Deshalb poste ich meine Beiträge nicht, die zu persönlich sind – oder die ich vielleicht auch nur dafür halte. Schließlich haben wir auch gelernt – das Internet vergisst nichts. Man muss aufpassen, was man von sich preis gibt! Da ist es auch nicht angebracht, ein Experiment draus zu machen, einfach mal ein paar Beiträge und gucken, was passiert. Was ist, wenn alle plötzlich nichts mehr mit mir zu tun haben wollen? Was ist, wenn mein gesamtes Business den Bach runter geht?

So versuchen wir – meist unbewusst – professionell zu wirken, indem wir uns der Masse angleichen. Merkst du das bei dir auch? Das ist doch mega-paradox, denn gleichzeitig wollen wir natürlich zeigen, was wir drauf haben und dass wir besser sind als alle anderen (was im Übrigen auch nicht stimmt, denn wir sind einfach nur anders, aber das ist eine andere Geschichte).

Wir legen einen Filter über alles was wir denken und fühlen, und lassen nur nach außen dringen, was wir für gesellschaftsfähig halten.

Ich habe das jedenfalls in meiner Selbständigkeit schon sehr früh beobachtet – leider nur bei den anderen. Da wurden anonyme Websites erstellt, um den Eindruck zu erwecken, eine riesige Firma stecke dahinter, dabei war es nur ein einziger – obendrein sehr sympathischer – Mensch. Ich fand das immer sehr schade, denn Persönlichkeit weckt bei mir auch Vertrauen. Aus meiner Sicht wurde da Potenzial und Einzigartigkeit verschenkt.

Ich wollte das natürlich immer ganz anders machen. Mich zeigen, von Anfang an. Was ich dabei missverstanden habe: Mich zeigen heißt nicht, einfach nur ein (natürlich vorher stundenlang sorgfältig ausgewähltes) Foto zu veröffentlichen. Mich zeigen heißt auch, über das zu schreiben, was mich wirklich bewegt. Meine Gedanken, meine Zweifel. Nicht nur fertige Angebote zu posten, sondern auch schon mal zu zeigen, wie es entsteht, und dass das nicht immer so glatt läuft, wie wir es nach außen hin gerne allen weis machen wollen – weil wir denken, es müsste so sein.

Wird es nicht langsam Zeit, dass wir alle diese Rollen ablegen, und zeigen, wer wir wirklich sind? Dass wir diesen Druck von uns nehmen, uns anders geben zu müssen? Einen Schein aufrecht halten zu müssen, der nur unheimlich anstrengend ist – für uns und auch für alle anderen?

Ich bin nämlich der Meinung, dass unser Licht erst dann richtig leuchten kann. Und dass wir erst dann in unsere volle Kraft kommen, wenn wir alle unsere Ressourcen aktivieren, alles von uns nutzen, nicht nur das, was wir für professionell und angebracht halten. Was ich damit meine, kannst du z. B. im nächsten WEB-Letter lesen, denn da erzähle ich dir, wie mein letztes Jahr war, was mich bewogen hat, umzudenken und mein gesamtes Business auf den Prüfstand zu stellen.

Das Foto entstand übrigens letztes Jahr in der Jameson Whiskey Fabrik in Irland. Mein Sohn (10) hat es aufgenommen, daher sind die Lichtverhältnisse nicht ganz optimal. Ich finde es schön. Nieder mit dem Perfektionismus!

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