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Sei nicht immer nur lieb

27.01.2019

Mein erster Audio-Beitrag "Du willst netter sein ..." könnte den Eindruck erwecken, mir ist vor allem daran gelegen, netter zu werden. Das war auch tatsächlich sehr lange Zeit so. Ich war immer bedacht, mich anzupassen, ich war eine Künstlerin der Anpassung, die Erwartungen erfüllt, ausgesprochene und unausgesprochene. Nur meine eigenen nicht. Das ging schon in der Krippe los und zog sich durch meine Schulzeit und mein Berufsleben. Bloß nicht auffallen, immer schön bedeckt halten, immer bitte und danke sagen, und bloß nie Kritik äußern!

Dass ich damit auch meine Kraft zurückhalte, mein wahres Sein, habe ich nie sehen wollen. Doch ich spüre, dass sich etwas verändert hat. Schon lange weiß ich: es ist nicht unsere Bestimmung, immer lieb und nett zu sein, so wie uns andere haben wollen. Wenn wir uns zu sehr anpassen, verlieren wir unsere Farbe. Wir werden nur noch zu einem Schatten, einem Schatten unserer selbst. Wenn wir uns zu sehr anpassen, verschmelzen wir mit unserer Umwelt. Wir werden unsichtbar. Doch etwas zu wissen, und etwas wirklich zu spüren, sind zwei ganz verschiedene Paar Schuhe.

Ich konnte mich spüren, wenn ich Leistung erbrachte. Für andere. Dann erhielt ich Anerkennung, und wurde sichtbar trotz der Schutzschichten, die ich über meine Ecken und Kanten gezogen hatte. Ich redete mir ein, dass Leistung was Tolles ist, dass ich gerne leiste, bis ich fast verbrannt war. Bis ich mich selbst überhaupt nicht mehr spürte. Man kann sich alles schönreden. Und das tat ich fleißig.

Spätestens seit meiner SCM®-Coachingausbildung im November 2018 ist etwas in mir aufgebrochen. Etwas, das schon lange darauf gewartet hat, das sich schon lange vorher schüchtern zeigte. Ich spüre, dass sich 2019 etwas verändern wird. Dass ich noch mehr ich selbst werde, dass ich endlich das lebe, was in mir ist. Und was wunderschön ist: Dass ich damit der Menschheit viel mehr diene als wenn ich immer lieb und nett bin. Denn so wie ich bin, bin ich einzigartig. Und diese Einzigartigkeit ist es, die mich Dinge auf die Welt bringen lässt, wie es kein anderer könnte.

Das Schöne ist, seit ich Kontakt zu mir selbst aufgenommen habe, seit ich versuche, mich bei allem immer zuerst selbst zu fragen, was ich davon halte und wie ich etwas finde, meldet sich nicht nur meine innere Stimme öfter und lauter, ich bekomme auch deutlichere Zeichen von außen. In welche Richtung mein Leben Sinn macht, wo ich mich noch verstecke oder zurückhalte. Es waren und sind immernoch vielmehr Stellen als ich dachte.

Ich spüre keinen Druck, diese "Lecks" zu beheben. Ich weiß, dass das Leben nicht vollkommen ist. Ich weiß, dass noch ein Weg vor mir liegt. Und das ist gut so. Wie langweilig wäre das, wenn alles auf Anhieb gelingen würde? Wie wenig könnte ich dann auch über meinen Weg berichten, wenn er so kurz wäre. Ich gehe gelassen und mit viel Selbstfürsorge meinen Weg weiter. Schritt für Schritt.

Es waren viele andere mutige Menschen, die mir Zeichen gaben, die mir mit ihrem Mut den Weg erleuchteten, die mich ermutigten, ich selbst zu sein. Und in mir wird der Wunsch immer lauter, selbst solch ein mutiger Mensch zu sein. Ich sehe mich als Leuchtturm, der mit seinem Licht ein Zeichen setzt, wo es lang gehen kann. Ich bin der Baum, der mit seiner Krone Schatten und Trost spendet, der ruhig und gewiss und völlig selbstverständlich seinen Platz im Leben einnimmt.

Dieser Beitrag ist ein weiterer Ausdruck meines Mutes. Soll ein weiteres Licht für dich sein. Ermutigung, du selbst zu sein. Was sind deine Talente, deine Eigenarten, deine Interessen? Spürst du deine Intuition schon, und folgst du ihr, oder verleugnest auch du manchmal deine wahren Wünsche, dein wahres Selbst?

Ich spüre immer mehr, dass eine meiner vermeintlichen Schwächen in Wahrheit eine Stärke ist. Diese Entdeckung kann ich nur machen, wenn ich nicht auf all die Menschen höre, denen diese Eigenart unangenehme Gefühle verursacht, und die sie deshalb "weg" haben wollen. Ich provoziere, und das ganz ungewollt. Ich lege Finger in Wunden, die andere nicht wahrhaben wollen, ganz ohne böse Absicht. Wenn ich es merke, ist es meist schon zu spät. Ja, das tut den anderen weh. Ich habe mich lange für unsensibel gehalten. Aber ich bin alles andere als das. Finger in Wunden geben die Chance, diesen Wunden den Blick zuzuwenden und zu heilen. Das habe ich begriffen, als ich anfing, mich selbst zu respektieren.

Was ich hier schreibe, ist nichts Weltbewegendes. Es haben schon viele vor mir so oder ähnlich geschrieben. Und doch bringt es meine eigene Welt ins Wanken, meine vertrauten Grenzen verschwimmen. Ich betrete unbekanntes Terrain. Ich mache mich angreifbar. Ich zeige mich anders als bisher und löse damit vielleicht Illusionen auf. Ich zeige mich persönlicher in meinem Business als ich es bisher getan habe, und gehe damit das Risiko ein, dass sich Menschen abwenden. Aber ich mache mich auch sichtbarer für die, zu denen ich viel besser passe.

In den letzten Monaten habe ich gemerkt, wie viele Menschen das sein können, die ich durch mein Sein verunsichere, und wie viele eigene Zweifel und innere Kritiker das auf den Plan ruft. Und doch spüre ich, dass es mir mehr Kraft gibt als es mir nimmt. Ich lasse den Kritiker reden.

Sei nicht immer nur lieb, was vielmehr heißt, so wie die anderen dich haben wollen. Sei so, wie du bist. Unverstellt. Freundlich. Wütend. Authentisch. Es ist diese Authentizität, dieses ehrliche Zeigen, auch wenn es mir nicht gut geht, auch wenn ich an mir zweifle, auch wenn ich mich (oder andere) nicht mag, was unsere Welt jetzt braucht. Was wir brauchen. Wir haben uns lange genug verstellt. Aus Angst. Lasst uns die Angst loslassen und endlich leben! Lasst uns unseren Weg gehen, unsere eigene Wahrheit leben, auch wenn sie so anders aussieht als das langweilige Mainstream. Auch wenn wir dadurch angreifbar werden, auch wenn uns viele nicht mögen könnten, wenn wir uns zeigen.

Wer ist, wie er ist, und nicht immer nur lieb, der wird auch für manchen unangenehm. Denn er ist weniger manipulierbar. Er weckt tief sitzende Ängste und Sehnsüchte (nach dem wahren Leben), die mancher nicht wahrhaben will. Lasst uns trotzdem weitergehen, oder gerade darum. Die anderen liebevoll an die Hand nehmen, wenn sie es wollen, und wenn nicht, es immer wieder anbieten. Denn das können wir - offenen Herzens sein, egal wie jemand ist, wenn wir uns endlich erlauben, selbst so zu sein, wie wir sind.

Das wünsche ich mir und uns von Herzen für 2019.

Kategorien: Entspanntes Business | Schlagworte: Anpassung, authentisch sein, Coaching, netter sein, Persönlichkeitsentwicklung, Stärken und Schwächen

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