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Was du gut kannst, ist nicht unbedingt deine Berufung

13.08.2019

Wenn über Berufung im Sinne der Lebensaufgabe oder manchmal auch des Lebenssinns gesprochen wird, höre ich oft den Rat, das zu tun, was man gut kann. Worin man einzigartig gut ist.

Doch ich halte diesen Rat nicht nur für falsch, sondern auch für gefährlich. Er lockt uns auf eine falsche Fährte, lässt uns weiter Dinge tun, die wir gar nicht mehr tun wollen. Ja, auch Schuldgefühle spielen dabei eine Rolle.

Wenn du nach deiner Berufung oder deinem Lebenssinn suchst, solltest du auf etwas ganz anderes achten. Ob du es gut kannst, ist dabei erstmal nebensächlich.

Worin du gut bist, ist das, was du oft gemacht hast

Variante 1 der falschen Logik: Wenn du etwas gerne machst, machst du es oft, und wirst so immer besser. Also ist das, was du gut kannst, das, was du gerne tust und weiter tun solltest.

Variante 2: Was du gut kannst, basiert auf einem angeborenen Talent. Also muss es deine Berufung sein.

Ja, es kann angeborene Talente geben. Ich glaube aber, dass Übung viel wichtiger ist als Talent. Und dass am Anfang vor allem auch das Feedback von außen - von den Eltern, Lehrern etc. - entscheidend ist, wie gut oder schlecht wir etwas Neues lernen.

Es gab mal eine Studie in einer Schule, in der Kinder nach Zufallsprinzip als "Kandidaten mit besonders hohem Entwicklungspotenzial" eingeteilt wurden. Die Lehrer dachten, es handle sich dabei tatsächlich um Kinder, bei denen ein Anstieg des IQ direkt bevorstünde. Das Spannende daran, fast die Hälfte dieser Kinder steigerten ihren IQ im Verlauf eines Jahres tatsächlich um 20% oder mehr. Bekannt wurde das als Pygmalion-Effekt.

So werden wir von Anfang an manipuliert und in bestimmte Richtungen erzogen, ohne es zu merken. Denn ich halte es nicht nur für möglich, sondern für sehr wahrscheinlich, dass unsere Eltern in unseren frühen Jahren, an die wir selbst überhaupt keine bewussten Erinnerungen mehr haben, bereits ausgeprägte Talente an uns entdeckt haben. Vielleicht haben sie auch einfach nur eine kleine, völlig unbewusste Bemerkung gemacht, die uns prägte. Und so glauben wir seitdem, dass wir gut rechnen, malen, kochen, singen können (oder eben auch nicht). Was sich dann im Leben bestätigt.

Meist siegt einfach nur die Vernunft

Letzlich bist du einfach nur gut in dem, was du häufig gemacht hast.

Vielleicht war da ein gewisses angeborenes Talent, vielleicht wurdest du geprägt. Du hast es gut gemacht, hast Anerkennung dafür erhalten, hast es deshalb öfter gemacht, und bist immer besser geworden.

Und dann entscheidet an einer bestimmten Stelle die Vernunft mit. Wenn es um die berufliche Orientierung geht z. B.

"Davon kann man doch nicht leben" - diesen Satz kennst du sicher auch. Und so wählst du deinen Beruf danach aus, was du gut kannst und ob es einen Ausbildungsplatz gibt oder ob man später in diesem Beruf einen Job findet oder gutes Geld verdient oder ins Ausland kann.

Einzigartig gut? Kommt auf die Perspektive an.

Wenn du dich auf dem objektiven Level vergleichst, wirst du ohnehin niemals besser sein als alle anderen. Es gibt immer einen, der besser ist. Selbst wenn du als Sportler einen Weltrekord erreichst, wird es bald jemanden geben, der deinen Rekord wiederum überbietet.

Das ist das Leben.

Von dieser Perspektive wirst du niemals einzigartig gut sein. Musst du aber auch nicht. Besser als der Durchschnitt reicht in der Regel allemale. Dann machst du es nicht nur gut, sondern besser als die meisten.

Und wenn du dem ganzen dann deine persönliche Note gibt, dann wird es einzigartig.

Auf diese Weise wird es dann doch einzigartig gut.

Und das bedeutet, du kannst in allem einzigartig gut werden. In allem, was du willst.

Was du öfter machst, darin wirst du automatisch besser. Es wird Plateau-Phasen geben, in denen du dich nicht mehr zu verbessern scheinst. Aber das ist ein Irrglaube, denn Plateau-Phasen gehören zum Wachstum dazu. Die 10.000 Stunden-Regel besagt, dass du in allem ein Profi wirst, dass du 10.000 Stunden lang geübt hast.

Es gibt keine Begrenzungen in Form von Talenten, Berufungen oder Lebenswegen.

Wo ist die Freude?

Oft machen wir das, was wir gut können, auch ganz gerne. Wir befinden uns da in unserer Komfortzone, wir kennen uns aus, wir können anderen helfen und bekommen dafür Anerkennung. All das tut uns oft gut, denn wir wollen dazu gehören.

Doch wahre Freude fühlt sich anders an.

Ich habe eine Ausbildung als Einzelhandelskauffrau gemacht und damals alle Facetten meines Job sehr gern gemocht. Ich saß gern an der Kasse, und ich habe gern die Regale auf- und eingeräumt. Ich erkannte auch den Sinn meiner Arbeit. Doch erfüllt hat mich das nicht. Ich fühlte mich nicht ausgelastet. Unterfordert. Langfristig war das keine Option für mich.

Freude ist etwas, das länger währt. Das sich nicht verbraucht. Das uns Energie gibt.

Wenn du nach einem langen Arbeitstag wach bist statt müde, dann weißt du, dass du in deiner Freude warst.

Freude ist Leidenschaft und Begeisterung. Etwas, das uns immer wieder magisch anzieht, das uns aus dem Trübsal holt und trotz aller Zweifel weitergehen lässt. Etwas, das funktioniert, auch wenn die Anerkennung von außen fehlt.

Ich glaube, dass es diese Art von Freude ist, die wir erleben sollen und die uns wirklich den Sinn unseres Lebens, unsere Berufung, erkennen lässt.

Mach doch einfach, was du willst

Wenn es ohnehin sch* egal ist, was du machst, wenn du sowieso in allem, was du regelmäßig übst, besser wirst, dann kannst du doch auch machen, was dir Freude macht, oder?

Und genau das ist es, was das Leben von uns möchte.

Unsere Berufung ist nicht das, was wir am besten können, sondern was uns am meisten Freude macht.

In Freude steckt so viel mehr als nur positive Gefühle. Sie schenkt uns Mut und Kraft, sie heilt, sie ist ansteckend. Sie ist unser Wegweiser zur Lebensaufgabe, den das Leben uns in die Wiege gelegt hat, sie ist der Sinn unseres Lebens, wenn du so willst.

Auch wenn du eine Sehnsucht in dir spürst, nach mehr Sinn, nach mehr Tiefe in deinem Leben - es ist die Freude, die dir hilft, diese Sehnsucht zu erfüllen.

Verzweifle nicht, wenn die Freude sich in deinem Leben verändert. Das gehört zu unserem Weg dazu. Es kann sein, dass uns im Laufe des Lebens plötzlich ganz andere Dinge erfreuen. Dann dürfen wir unseren Weg anpassen.

Folge einfach immer der Freude, jeden Tag ein bißchen mehr, dann bist du auf dem richtigen Weg.

Kategorien: Entspanntes Business | Schlagworte: Erlaubnis, Freude leben, Glaubenssätze, Lebensaufgabe, Sinn des Lebens

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