Bei uns zu Hause, einen kurzen Spaziergang durch den Wald entfernt, gibt es eine Trainings-Rennbahn für Pferde. Sie liegt mitten zwischen Feldern und Wald, total abgeschieden, und gehört zu dem kleinen Gestüt bei uns im Dorf.

Hin und wieder gehe ich diesen Weg mit Balu, in der Hoffnung, diesmal beim Training zusehen zu dürfen. Bisher hatte ich das Glück noch nicht, und die Rennbahn sieht jetzt zum Ende des Sommers auch so aus, als wäre sie schon lange nicht mehr benutzt worden. Ist ja angesichts der Hitze, die dieser Sommer mit sich brachte, für mich nicht weiter verwunderlich.

Heute Morgen hatte es gerade zu nieseln begonnen, als ich mich mit Balu auf den morgendlichen Spaziergang machte. Ich wollte deshalb eigentlich nicht weit gehen. Nicht weit heißt maximal zehn Minuten :) Doch als ich vor die Tür trat, roch es so angenehm – ich liebe den Herbst, der jetzt langsam schon zu spüren ist. Der Niesel war kaum zu merken, unterstrich die schöne Atmosphäre eher noch. Ich hatte Zeit, und so beschloss ich, der Rennbahn einen Besuch abzustatten.

Es war zwar kein Pferd im Training dort, aber die kleinen Weiden, die innerhalb der Rennbahn liegen, waren nahezu alle besetzt, mit kleinen Pferdegruppen, ein Pferd schöner als das andere (für mich gibt es ohnehin kaum hässliche Pferde). Ich liebe es, Pferde zu beobachten, und ging ein Stück um die Rennbahn herum. An einer Stelle war eine größere Herde gut zu beobachten. Ich schaute mich um, ob ich mich irgendwo hinsetzen kann, um die Szene zu genießen, aber es war nur ein Baumstummel mitten in einem Ameisennest – nicht so einladend.

Ich bat das Leben um einen Baumstumpf, von dem aus ich die Pferde gut beobachten kann. Ich konnte mir zwar nicht vorstellen, dass es hier einen gab, weil der Wald nicht bewirtschaftet aussah (und die Natur wohl kaum Stümpfe schafft, auf denen man sitzen kann), aber ich beschloss zu vertrauen.

Ich war nur ein Stückchen weiter gegangen, da lag vor mir ein Birkenstamm im Gras, etwa zwei Meter lang, trocken und mit weicher Rinde zum Sitzen. Viel bequemer und angenehmer als ein Baumstumpf! Ich dankte dem Leben, und setzte mich. Von hier aus konnte ich die kleine Herde gut sehen, die in etwa hundert Metern Entfernung friedlich vor sich hin graste. Nach einigen Minuten spürte ich den Wunsch, den Pferden noch etwas dichter zu kommen. Und machte mich auf den Weg, weiter um die Rennbahn herum. Ermutigt, weil es beim ersten Mal so gut geklappt hatte, bat ich das Leben um einen weiteren Stumpf oder Baumstamm, von der ich diese Pferde ganz nah und gut beobachten kann.

Als ich nah genug an den Pferden dran war, schaute ich mich um. Man muss sich das etwa so vorstellen: Da ist ein Weg, rechts und links von einem etwa vier Meter breiten Rain gesäumt. Linker Hand befindet sich dahinter ein Acker, rechter Hand zuerst der Zaun, der die etwa acht Meter breite Rennbahn säumt, dann der zweite Zaun und dahinter die Pferde. Zwischen mir und den Pferden lag also nicht nur die Rennbahn, sondern auch noch der Rain, der zwar begehbar war, aber mit ziemlich hohem Gras, totem Holz usw.

Auf der linken Seite vor mir war ein schöner großer Stein, mit sehr bequemer Sitzfläche, aber leider war er sehr niedrig. Als ich mich dort setzte, konnte ich die Pferde über das hohe Gras hinweg kaum sehen. Und die Pferde waren auch etwas nervös, weil sie mich zwar sahen, aber nicht erkannten, was ich bin. Ich war nicht enttäuscht, ich nahm es einfach hin. Im Nachhinein glaube ich sogar, dass ich bei mir dachte, da kommt bestimmt noch was. Das kann es noch nicht sein.

Ich stand wieder auf und ging weiter. An einer schönen Stelle ging ich über den Rain bis zum ersten Zaun, wo ich die Pferde gut sehen konnte, und sah mich um. Keine Steine, keine Baumstümpfe. Nichts zum Sitzen. Na gut, dann war es jetzt so. Auch ok.

Doch nur wenige Schritte weiter wurde mir mein Wunsch plötzlich erfüllt. Auf der rechten Seite, mitten auf dem Rain, direkt vor dem Zaun zur Rennbahn, tauchte völlig unerwartet ein Hochstand auf. Dieses Ding, das die Jäger benutzen. Eigentlich hab ich Höhenangst. Aber für mich war klar, dieser Hochstand war mein Baumstumpf, den ich bestellt hatte! Ich kletterte hoch, und es war herrlich. Eine mega-bequeme Bank, und dazu auch noch überdacht. Ich war den Pferden super-nah, und darüber hinaus hatte ich einen fantastischen Blick über die komplette Koppel bis zum Waldrand! Das war viel, viel besser als das, was ich mir gewünscht hatte.

Ich weiß, man könnte jetzt sagen – alles Zufall oder Glück gehabt oder der Hochstand war doch vorher auch schon da! Mal abgesehen davon, dass ich nicht mehr an Zufälle glaube, ist das natürlich möglich. Aber was wäre wenn? Was wäre, wenn das Leben uns tatsächlich zur Seite steht, für uns da ist, statt gegen uns (wie wir es so oft denken)? Was wäre, wenn man sich nur das Leben, das man leben möchte, wünschen braucht – und dann die Augen offen halten? Ich hätte an dem Hochstand vorbei gehen können, schließlich war es nicht der bestellte Baumstumpf – aber was wäre, wenn das Leben uns noch was viel Besseres liefert, als wir bestellt haben, weil es noch viel besser weiß, was gut für uns ist, und welche Sehnsucht hinter unserem Wunsch steckt?

Was wäre, wenn The Secret wirklich funktioniert?

Was würdest du dir dann vom Leben wünschen?

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