In den letzten Tagen wird mir noch mehr und immer wieder bewusst, wie oft ich mich noch verbiege. Wie oft ich mich gerne zeigen will und es dann doch nicht tue. Weil ich mich nicht traue. Weil ich mich vergleiche. Weil es andere viel besser können, schon viel länger tun, viel mehr Erfolg haben. Ganz offensichtlich. Und damit auch noch ganz laut hausieren gehen.

Marketing bringt mich echt an meine Grenzen.

Dabei könnte es so viel Spaß machen. Eigentlich. Denn Marketing heißt ja erstmal, mit dem rausgehen, was ich liebe. Was ich gerne tue. Mich damit zu zeigen. Damit mich die finden, die zu mir passen. Denen ich mit dem, was ich gut kann, einen dicken fetten Gefallen tue.

Und wenn ich mich das nicht traue, ist das nicht nur schlecht für mich und mein Business, sondern auch für meine angehenden Kunden, die mich dann nicht finden können.

Ich habe dazu in der letzten Woche ein wunderbar herzerfrischendes Interview mit Hermann Scherer gehört, dem bekannten Autor, der sagt – was schert mich meine Zielgruppe. Ich schreibe, was ich zu sagen habe. Ich will mich nicht adaptieren. Mir doch egal, ob es dazu eine Zielgruppe gibt!

Ist das nicht genau der Punkt? Ist das nicht der Grund, warum Marketing für so viele von uns so unglaublich anstrengend ist? Weil wir versuchen, fremde Rezepte und Anleitungen zu befolgen, weil wir versuchen, einen Weg zu gehen, den alle gehen. Mainstream. Weil wir versuchen, aufzufallen, ohne aufzufallen. Ohne aus der Reihe zu tanzen. Das allein ist ja schon ein Paradoxon in sich.

Wir folgen den Gurus und ihren Empfehlungen, den Schritt-für-Schritt-Plänen, mit denen man gar nicht scheitern kann, und wundern uns dann, dass es nicht klappt.

Mich jedenfalls stresst es, immer zu überlegen, ob ich mich noch im Rahmen bewege, ob das, was ich tue, überhaupt erlaubt ist. Ob ich damit nicht mein Business gefährde, weil ich mich zu menschlich, zu makelhaft, zu schwach zeige, vielleicht ohne es zu wollen. Weil ich am Ende einen falschen Knopf gedrückt oder ein zweideutiges Bild von mir hochgeladen habe. Mich stresst es so sehr, dass ich mich bislang um Themen wie Twitter und Facebook schön säuberlich herumgedrückt habe. Natürlich immer unter einer fadenscheinigen Ausrede, die man daran erkennt, dass sie mit „ich muss erst noch …“ beginnt.

Ich muss erst noch die Facebook Seite einrichten. Ich muss erst noch einen Kurs dazu belegen. Ich muss erst noch einen Page Banner dazu erstellen lassen. Ich muss erst noch einen richtig coolen Slogan erfinden.

Dieses „ich muss erst noch“ wird tendenziell schlimmer, wenn man Expertenvideos schaut oder Expertenblogbeiträge liest. Ich muss erst noch überlegen, wie ich meine Marke präsentiere. Wer meine Zielgruppe ist. Wo sie sich herumtreibt. Was sie mag. Vielleicht mag sie gar keine Katzen? Oder vielleicht wirken Wasserfälle kitschig? (Dann müsste ich hier erst noch ganz viele Bilder austauschen, die ich den Blogbeiträgen zugeordnet habe).

Das alles sind wichtige Fragen. Aber nur, wenn sie mich stärken. Wenn sie mir helfen, mich mehr zu fokussieren. Nicht, wenn sie mich verunsichern, mich klein machen. Wenn sie mich hindern, meine Schritte zu tun. Dann sind sie einfach nur nervig. Und oft gibt es die eine, definitive Antwort auf diese Fragen ohnehin nicht. Wir verschwenden unsere Energie.

Wie kann Marketing also Freude machen?

#1 Kenne dein Warum. Das ist wirklich so mega wichtig, dass du weißt, warum du tust, was du tust. Und wenn du es tust, um deine Familie zu ernähren, dann ist das völlig ok! Hauptsache, es holt dich morgens aus dem Bett. Du kennst dein Warum nicht?

#2 Sei, wer du bist. Tu, was du liebst und sprich / schreib über das, was dich bewegt. Das ist eine Lektion, die ich hier so locker-flockig schreibe, die ich aber mühsam lernen musste in den letzten Monaten. Und die ich noch nicht abgeschlossen habe. Viele, viele Glaubenssätze verbergen sich hier, wie man sich als Unternehmerin zu geben und zu zeigen hat. Man will schließlich Vorbild sein, man will Vertrauen erwecken, man will nicht, dass angehende Kunden schlecht (oder falsch) über einen denken!

#3 Lass dich nur inspirieren, aber vergleiche dich nicht. Mach dir ein für allemal klar: Nur du allein gehst genau den Weg, den du gehst. Nur du allein kannst entscheiden, was für dich gut ist und stimmt. Vergleiche haben immer einen ziemlich dicken Haken: Man sieht nur einen kleinen Ausschnitt eines großen Ganzen. Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, und genauso ist kein einziger Experte über Nacht bekannt und reich geworden. Auch bei ihm war es eine Aneinanderreihung vieler kleiner Schritte über eine lange Zeit.

#4 Hab keine Angst vor Fehlern. Wenn du ein bißchen tickst wie ich, denkst du vielleicht, ein Fehler und ich bin weg vom Fenster. Unten durch. Nie wieder wird irgendjemand mit mir reden, geschweige denn einen Auftrag erteilen. Mir sind meine Fehler schon peinlich, bevor ich sie mache. Daher trainiere ich in letzter Zeit einen neuen Blick. Über meine Fehler lachen. Ich hab einen falschen Knopf gedrückt? Ich gucke auf dem Foto komisch? Ein Rechtschreibfehler im Blogbeitrag? Newsletter zu früh rausgeschickt? So what? Das Leben geht weiter! Und wer mit mir über solche Dinge nicht lachen kann, den will ich gar nicht als Kunden! Das entspannt ungemein.

Sei so verrückt, lustig, chaotisch, ernst, besserwisserisch, augenzwinkernd, provokant, warmherzig, emotional, weich, perfektionistisch, wortgewandt wie du bist. Diese Mischung, diese einzigartige Kombination, ist es, was dich unverwechselbar macht. Was dich zur Marke macht. Wenn du dich nicht mehr verstellen brauchst, ist Marketing nicht mehr anstrengend, sondern eine spannende Reise. Stetig lernt man Neues dazu. Man probiert Wege aus. Streicht die, die nicht zu einem passen. Sucht sich Hilfe bei denen, die einem schwer fallen. Aber man teilt, was man liebt, voller Freude. Und zieht so die Menschen an, die perfekt passen.

 

Haha, gerade gefunden, und das passt so gut: Influencer-Fails auf Instagram. Andere kochen halt auch nur mit Wasser. Das können wir doch allemal besser, gell?

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