Gestern Abend auf meiner Runde mit Balu sah ich im Straßengraben eine halbleere Sektflasche liegen. Offensichtlich hatte da jemand seinen Müll nicht mitgenommen. Zuerst zögerte ich. Doch ich wusste, dass ich auf meinem Weg, nur ca. 100 Meter weiter, an einem Glascontainer vorbei komme. Es war kein großes Ding, die Flasche aufzulesen und das Stückchen mitzunehmen. Eine gute Tat im Alltag. Also sammelte ich die Flasche ein und nahm sie mit. Erst nach vielen Schritten bemerkte ich, dass ich meine Hand gar nicht richtig fest um das Glas schloss, sondern sie nur mit spitzen Fingern hielt. Ein Windhauch hätte vermutlich ausgereicht, um sie mir aus der Hand flutschen zu lassen.

Meine Gründe waren klar. Eine fremde Flasche. Keine Ahnung, wer sie in der Hand gehalten, wer aus ihr getrunken hatte. Im Grunde wusste ich nichtmal, ob die Flüssigkeit darin tatsächlich ein Rest Sekt gewesen war. Oder ob bereits andere Hunde daran vorbei gekommen waren, die die Flasche als ihr Revier markiert hatten. Ich ekelte mich. Wohl sehr menschlich. Doch es führte dazu, dass ich mich nicht ganz auf das einließ, was ich mir eigentlich vorgenommen hatte. Wenn die Flasche runterfiel, war es das mit meiner guten Tat – tausend Scherben mitten auf dem Fußweg. Für mich als leidenschaftliche Barfußgängerin eine mittlere Katastrophe und viel schlimmer als eine verwaiste Flasche im Straßengraben.

Als mir das bewusst wurde, nahm ich die Flasche fest in die Hand. Ich hatte mich schließlich entschieden, sie aufzusammeln, dann konnte ich es auch richtig machen. Und dann dachte ich so bei mir – geht es uns nicht oft so im Leben? Dass wir Dinge beginnen, uns dann aber nicht trauen, richtig zuzupacken? Und uns dessen oft noch nicht einmal bewusst sind.

Ich beobachte das sowohl bei mir als auch bei unseren Kunden. Wir entscheiden uns für einen Weg, und nach einigen Schritten – auf denen wir wohl dem einen oder anderen Hindernis begegnet sind – fangen wir an zu zweifeln, stellen im schlimmsten Fall alles in Frage, und sabotieren sowohl uns als auch unseren Weg bzw. unser Ziel.

Der erste Schritt ist das Erkennen

Der allererste und wichtigste Punkt ist wohl, überhaupt zu bemerken, dass du gerade aufschiebst. Nachdem ich erkannt hatte, dass ich die Flasche nicht richtig hielt, konnte ich es ändern. Denn meist machen wir das ja gar nicht bewusst – wir verdrängen, oder wir suchen Ausreden und Ausflüchte. Diese als solche zu entlarven ist gar nicht so einfach, denn unser Verstand ist hier unglaublich kreativ und kann sehr glaubwürdig und überzeugend sein.

Eine der beliebtesten Ausreden ist „keine Zeit“. Keine Ausrede, sagst du? Das ist tatsächlich so? Ich lasse das mal so stehen. Wenn du tief in dich rein hörst, wirst du selbst wissen, ob es wirklich stimmt. Keine Zeit ist eine beliebte Ausrede, weil beinahe jeder Verständnis dafür hat, denn jeder ist ja auch davon betroffen, keine Zeit zu haben. Wer keine Zeit hat, ist wichtig, erfüllt seine Pflichten, trägt Verantwortung. Ich sage mir dann immer – „Keine Zeit heißt keine Lust“. Denn keine Zeit heißt erstmal nur, dass andere Dinge wichtiger sind. Dass du die Prioritäten anders setzt. Und das ist auch völlig in Ordnung, wenn es mit deinen Zielen konform geht. Wenn du dich damit nicht selbst betrügst.

Eine weitere beliebte Ausrede ist – „das funktioniert doch sowieso nicht“. Ich kenne diese Ausrede nur zu gut. In der Vergangenheit habe ich immer wieder neue Projekte angefangen, um sie auf halbem Wege wieder einzustampfen oder in die Schublade zu packen, weil „das sowieso nicht funktioniert“. Weil ich Beweise zu sehen glaubte, dass ich auf dem falschen Weg war. Doch nicht jedes Hindernis ist ein Zeichen dafür, dass der Weg der falsche ist. Hindernisse sind erstmal nur ein Zeichen dafür, dass es noch an einer Stelle hapert. Doch rückblickend stelle ich auch fest, dass meine kreativsten Einfälle und Ideen aus Hindernissen heraus entstanden sind. Und wie langweilig wäre das Leben, wenn immer alles genau so glatt laufen würde, wie wir es im Voraus planen?

Und wer immer nur tut, wovon er weiß, dass es funktioniert, der agiert in seinen eigenen engen Grenzen, der bewegt sich im Dunstkreis des ihm bekannten und handelt nach alten Mustern. Er wird kaum neue Erfahrungen machen. Du solltest dich daher nicht fragen, ob etwas funktioniert, sondern wie es funktionieren kann. Was kannst du tun, damit es funktioniert?

Frage dich also – wo traust du dich nicht, richtig zuzupacken? Wenn du ganz ehrlich zu dir bist? Wo solltest (oder besser wolltest) du eigentlich längst etwas tun? Doch Obacht: Nicht alles, von dem du denkst, du solltest es tun, solltest du wirklich tun. Achte darauf, dass es wirklich das ist, was dich deinen Zielen näher bringt, und nicht das, was du denkst, was du anderen vielleicht schuldest.

Häufigste Ursache ist Angst

Die wirkliche Ursache, dass wir Dinge nicht anpacken, dass wir nicht ins Handeln kommen, ist meistens Angst. Und die wollen wir nicht spüren, die wollen wir nicht wahrhaben. Deshalb erfindet unser Verstand Ausreden.

Doch Angst ist oft auch ein Zeichen, das wir im Begriff sind, unsere Komfortzone zu verlassen. Unsere Grenzen zu überschreiten und somit zu weiten. Wer sich seiner Angst stellt, kann somit wachsen und neue Wege beschreiten. Ich glaube, etwas trotz Angst zu tun ist wie ein Muskel – das will trainiert werden.

Oft zeigt uns unsere Angst sogar, wo unser Weg ist. Wo unsere Potenziale liegen. Denn manchmal ist unsere größte Angst nicht die, dass wir erfolglos sein könnten, sondern unsere größte Angst ist die, dass wir massiv erfolgreich werden könnten. Denn auch das ist ein Schritt aus unserer Komfortzone, hin zum Unbekannten, hin zum Leben, das wir nicht unter Kontrolle haben.

Nun heißt das nicht, dass du gleich mit Anlauf ins eiskalte Wasser musst. Oft ist es genau dieser Gedanke, der uns am meisten lähmt. Wir sehen uns hier, das große Ziel am anderen Ufer des Ozeans, und den riesigen Weg dazwischen. Doch in den allermeisten Fällen ist es möglich, Babyschritte zu tun. Schritt für Schritt, trotz Angst. Jeder kleine Schritt bringt uns dem großen Ziel näher. Jeder kleine Schritt bringt wieder etwas neuen Mut und gewachsenes Selbstvertrauen mit sich. Und jeder kleine Schritt trainiert unseren „Muskel“, den wir der Angst entgegen setzen.

Nicht immer ist Aufschieben schlecht

Jedoch ist es nicht per sé falsch, wenn wir Projekte aufgeben. Oder Dinge liegen lassen.

Manches muss reifen. Manches wird besser und runder, wenn wir ein paar Nächte drüber schlafen, oder es auf nach dem Urlaub oder nächstes Jahr vertagen. Lass dich hier nicht von deinem Verstand stressen. Der versucht uns ziemlich oft einzureden, dass wir längst mit einer Sache fertig oder erfolgreich sein müssten. Das stimmt aber nicht immer. Manche Ideen brauchen Zeit, wie ein Bäumchen, das ja auch nicht gleich nach einem Jahr Früchte trägt. Erst muss es sich richtig verwurzeln, dann Blätter ausbilden, der Stamm muss kräftiger werden, und erst nach vielen Jahren werden sich die ersten Blüten zeigen. Genauso ist es auch mit manchen unserer Projekte, sie benötigen Freiraum, sie benötigen Luft, denn nur so entstehen kreative Ideen.

Ich sehe das gerade mit unserer neuen Version der WEB-Villa (unserem Website CMS). Mein Plan sah vor, dass wir Ende Juni schon längst mit allem fertig sind. Doch erst vor zwei Wochen haben wir nochmal eine ganz neue Baustelle aufgerissen. Fünf gefühlte Schritte zurück. Doch das war gut so, denn so haben wir nochmal ein ganz neues Level an Flexibilität und Einfachheit erschaffen. Und insgesamt handhabe ich es heute so – wenn ich an einer Stelle nicht weiter komme, lasse ich es erstmal liegen. Bis sich eine Lösung zeigen will. Das ist ein viel entspannterer Weg als der bisherige, der von Zeitdruck geprägt war. Denn unter Zeitdruck entstehen oft schnell-schnell Lösungen, mit denen man langfristig nicht wirklich glücklich ist.

Manchmal aber ist Aufschieben auch ein Zeichen, dass es nicht unser Weg ist. Wir haben die Ziele anderer mit unseren verwechselt. Dann geht uns mitten auf dem Weg die Puste aus. Es ist daher enorm wichtig, dass du deine Ziele, dein Warum kennst. Mein Warum hat die Welt für mich um 180° gedreht. Solange ich es nicht kannte, es mir nicht bewusst war, bin ich blindlings den Zielen anderer Menschen hinterhergerannt. Oder habe getan, was von mir erwartet wird (oder was ich dachte, was man von mir erwartet). Und zwischendurch immer wieder alles in Frage gestellt. Was enorm anstrengend ist! Heute weiß ich, wofür ich im Innern brenne – und kann genau das leben, meine Ziele darauf ausrichten und dann auch am Ball bleiben – trotz und mit der Angst.

Wenn du ganz ehrlich in dich fühlst, wirst du spüren, was der Grund ist. Braucht das Projekt Reifezeit, oder hast du in Wirklichkeit Angst vor Misserfolg? Oder vielleicht sogar Angst vor Erfolg? Ist das Ziel wirklich deins? Wofür brennst du?

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