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Hör auf, deinen Dienstleister zu erziehen

23.05.2019

Schlechte Dienstleister können für Unternehmer wie uns existenzbedrohlich sein. Diese schmerzhafte Erfahrung habe ich selbst im letzten Jahr machen müssen. Wieviel Stress und Sorgen, wieviel Nerven, und nicht zuletzt wieviel Geld hätte ich sparen können, wenn ich mich nicht für diesen Dienstleister entschieden hätte!

Am Ende ist alles gut ausgegangen, es sind zwar noch nicht alle Brandherde beseitigt, aber wir sind wieder auf einem guten Weg. Was mir dabei aber wieder absolut klar geworden ist - wir können andere Menschen nicht erziehen. Wir können sie nicht kontrollieren. Wir können nur klar sagen, was wir erwarten, und aus den Resultaten unsere Schlussfolgerungen ziehen.

Was bedeutet überhaupt schlechte Dienstleister?

Ob gut oder schlecht - das alleine obliegt schon unserer ganz persönlichen, subjektiven Bewertung. Auch wenn das aus unserer Sicht nicht so scheinen mag, tut doch ein Dienstleister in - ich würde mal sagen - 99% der Fälle sein Bestes. Das fällt selbst mir schwer zu schreiben, habe ich es doch ganz offensichtlich anders erlebt. Aber was habe ich da ganz genau erlebt?

  • Dass von mir verstandene Termine nicht eingehalten wurden.
  • Dass alles länger dauerte als ich dachte.
  • Dass in (für mich) wichtigen Fragen keine Rückmeldung kam.
  • Dass Zusagen (z. B. Dokumente, die man mir schicken wollte) nicht eingehalten wurden.
  • Dass Informationen von mir falsch ankamen (und dann mehrmals von mir korrigiert werden mussten).
  • Und die Krönung - das alles mit einer Seelenruhe und Selbstgefälligkeit, dass mir hätte die Hutschnur platzen können.

Kurzum: Meine Erwartungen wurden nicht erfüllt.

Aber meine Erwartungen sind am Ende nur meine Erwartungen. Ich kann sie nicht generalisieren. Ich kann nicht allgemeingültig davon ausgehen, dass auch andere Kunden diese Erwartungen haben (auch wenn mein Verstand das einfach nicht einsehen will).

Schlechte Dienstleister ist also höchst subjektiv und bedeutet in allererster Linie, dass der Dienstleister anders arbeitet als wir uns das vorstellen.

(Wenn er wirklich ein schlechter Dienstleister ist, ist er eh nicht lange am Markt, also mach dir keine weiteren Gedanken dazu.)

Wechsel-Hemmung

Ok. Möglicherweise gibt es eine kleine Anzahl an Dienstleistern, die für Kritik dankbar sind und sich in der Zukunft auf die Erwartungen einstellen, die man so hat. Wir haben in der Vergangenheit manchmal sogar viel zu viel Kritik an uns herangelassen - aber das ist eine andere Geschichte.

Letztlich ist es natürlich immer sehr wichtig - essentiell - die eigenen Erwartungen und Wünsche glasklar zu kommunizieren.

Aber wenn es dann trotzdem nicht klappt?

Dann sollte man lieber nicht zu lange zögern, sich nach einer Alternative umzusehen. Auch wenn es auf den ersten Blick wie die ungünstigste Lösung aussieht.

Bei mir war das z. B. so, dass ich ein Pauschalpaket abgeschlossen hatte und deshalb unbewusst dachte, ich könne gar nicht wechseln. Ich habe also in den sauren Apfel gebissen und mir eingeredet, geht doch. Bis es am Ende beinahe eskalierte. Weil es eben nicht ging.

Und dieses Pauschalpaket zu kündigen, wäre das geringere Übel gewesen.

Aus diesem Grund habe ich beinahe ein halbes Jahr "verschenkt", gewartet und gezaudert, was ich jetzt nochmals bezahlen muss - weil sich jetzt nach und nach herausstellt, wie schlecht (also objektiv tatsächlich falsch, eben aufgrund der mangelhaften Kommunikation) die Leistungen erbracht wurden, und der neue Dienstleister nachleisten muss.

Diese Hemmschwelle, diese gefühlte Barriere, die uns vor einem Wechsel zurückschrecken lässt, ist manchmal gut, weil sie uns vor übereilten Schritten schützt. Denn nicht jeder Fehler ist gleich ein Grund zu gehen. Aber wenn die Missverständnisse sich häufen, die Kommunikation immer schlechter wird statt besser und vor allem dieses Grummeln im Bauch zunimmt - dann höre lieber nicht auf deine Vernunft oder auf andere, sondern geh. Es gibt genug Dienstleister auf dieser Welt.

Es liegt nicht an dir

Eine weitere Lektion, die ich aus meiner Odyssee gelernt habe, war - nein, entgegen meiner beinahe schon festen Überzeugung lag es tatsächlich nicht an mir. Ich glaubte, ich müsste mich ändern. Denn ich war ja gerade erst von einem Dienstleister, mit dem ich nicht mehr arbeiten wollte und konnte, gewechselt. Und nun schon wieder Probleme? Das musste doch an mir liegen!

Klar, letztlich lag es an mir. Weil ich mir zu viel gefallen lassen habe (weil ich dachte, dass es an mir liegt). Weil ich meine Bedürfnisse nicht laut genug eingefordert habe.

Das heißt aber nicht, dass es beim nächsten Dienstleister auch nicht besser wird.

Inzwischen haben wir seit Anfang des Jahres einen neuen Dienstleister, und ich bin so happy, denn diesmal passt es wirklich. Und das nicht, weil ich mich verändert habe, sondern weil ich den Dienstleister verändert habe. Weil ich besser wusste, was ich konkret brauche und genau danach den Dienstleister gewählt habe.

Was für eine Erleichterung das ist, wenn ich die Sachen wirklich abgeben kann, ohne mir Sorgen machen zu müssen, was diesmal wieder untergehen oder falsch laufen wird, kann ich kaum beschreiben.

Mit jeder Fehlentscheidung, mit jedem "schlechten" Dienstleister, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass du beim nächsten Mal den absoluten Glückstreffer landen wirst. Weil du noch genauer weißt, was für dich geht, und was eben nicht.

Warum Erziehen nicht funktioniert

Andere Menschen erziehen funktioniert nicht (es sei denn, sie sind deine Kinder, aber auch da ist es oft fraglich). Erstens: Kritik tut weh, und die meisten Menschen sind nicht kritikfähig (auch wenn sie das selbst anders sehen). Sie werten Kritik als persönlichen Angriff und gehen automatisch in die Defensive. Mit dieser Haltung ist dann natürlich überhaupt keine Einigung mehr möglich. Die Fronten neigen dann eher dazu zu verhärten.

Ich nehme uns da übrigens nicht aus, ich habe schon so manche "Belehrung" von Kunden entschieden zurückgewiesen. Weil ich eine andere Sicht auf die Dinge habe. Weil meine Werte vielleicht andere sind, weil ich eine andere Perspektive habe, oder eben auch einen umfassenderen Überblick. Und nicht zuletzt, weil ich es auch nicht jedem recht machen kann und will. Und dazu stehe ich auch immer mehr, denn damit, es jedem recht zu machen, habe ich mir und meinem Business in der Vergangenheit auch absolut keinen Gefallen getan.

Wünsche und Bedürfnisse kommunizieren: Ja. Auf jeden Fall. Und zwar glasklar, so dass möglichst keine Missverständnisse möglich sind. Kein Rumgeeier. Wer übernimmt welche Aufgaben, bis wann ist was erledigt.

Doch wenn es am Ende nicht so richtig klappt, und auch nach mehrmaliger Anfrage einfach keine Besserung eintritt, sondern es gefühlt nur immer schlimmer wird, dann ist wohl das Ende der Fahnenstange erreicht. Dann passt der Dienstleister einfach nicht zu dir.

Oft kommt dann ja noch erschwerend hinzu, dass das Vertrauen einen empfindlichen Knacks bekommen hat, was dann auch nur noch schwer zu kitten ist. Das müssen dann schon beide sehr energisch wollen. In den meisten Fällen ist das aber vergebliche Liebesmüh.

Du tust euch beiden einen Gefallen, wenn du gehst.

Als Dienstleister finde ich es übrigens besser, auch das klar zu kommunizieren. Deine Arbeitsweise entspricht mir nicht, daher gehe ich. Wir machen das mit Kunden, die nicht zu uns passen, genauso. Schmutzige Wäsche zu waschen, sich bis auf's Blut zu streiten, wer jetzt Recht hat, oder den anderen böse zu beschimpfen, hat noch niemanden glücklicher gemacht. Wichtig ist, dass klar Schiff gemacht wird mit allen noch offenen Leistungen und Rechnungen. Auch da hat mein besagter Dienstleister sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Er konnte einfach nicht genug kriegen. Ich finde das echt traurig, aber das ist meine persönliche Meinung. Ihm die zu sagen, hilft mir jetzt auch nicht mehr (sie dir zu sagen allerdings schon).

Halte es wie der us-amerikanische Präsident Abraham Lincoln, der sagte: "Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet!"

 

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Kategorien: Zeit, Geld & Nerven | Schlagworte: Dienstleister finden, Kommunikation, Kritik, Lohnt sich das?, Wertschätzung

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