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Wie du etwas, das du nicht magst, ohne Stress auf den Weg bringst

20.02.2020

Als ich vor drei Jahren vor meinem Burnout stand, fasste ich einen weitreichenden Entschluss. Ich wollte keine Dinge mehr tun, auf die ich nicht wirklich Lust hatte. Für alles Erzwungene, alles, was mich nur unnötig Energie kostet, egal, welche Ergebnisse es versprach, ist mein Leben einfach zu kurz und zu kostbar.

Klar, mir ist das nicht immer gelungen, aber ich habe mich bemüht, es immer konsequenter umzusetzen.

Erst vor Kurzem habe ich erkannt, wie sehr ich mir damit selbst im Weg stehe. Und dass es einen viel einfacheren Weg gibt, aus dem Stress in die Gelassenheit und Leichtigkeit zu kommen.

Erfolgreiche Menschen tun das, was sie gern tun und gut können, heißt es. Alles andere lassen sie weg oder delegieren es. Wer sich auf das besinnt, was er wirklich mit Freude tut, worin er Leidenschaft empfindet, der kann in diesem Bereich außerordentlich erfolgreich werden.

Da ist definitiv etwas dran; wenn wir der Freude folgen, können wir ungeahnten Erfolg in unser Leben ziehen. Doch der Rest ist nur die halbe Wahrheit.

Denn erstens kann man nicht wirklich alles delegieren oder weglassen. Sei es, weil gerade niemand da ist, an den ich delegieren kann, oder sei es, weil es eine Tätigkeit ist, die ich eben wirklich ganz alleine und selbstständig machen muss.

Und zweitens wird man immer wieder an einen Punkt kommen, an dem man über seinen Schatten springen muss, auch wenn man seiner Leidenschaft folgt.

Ich glaube, gerade wir Selbstständigen werden vom Leben dazu auch immer wieder aufgefordert, über uns selbst hinauszuwachsen, und eben auch Dinge zu tun, die wir nicht mögen.

Ich glaube, wer wirklich außerordentlich erfolgreich ist, der ist um die Dinge, die er nicht gerne tut, nicht herum gegangen, sondern hat sie angepackt. Und das war lange Zeit das größte Problem, das ich mit "Erfolg" hatte, denn es klang für mich nach Prügeln und Sich-Zwingen, und das wollte ich nicht mehr. Also dann keinen Erfolg?

Zum Glück gibt es einen anderen Weg.

Was dahinter steckt

Woher kommt das eigentlich, dass wir manche Dinge nicht so gerne tun?

Scheinbar haben wir alle unsere Stärken und Schwächen. Doch wenn wir genau hinschauen, dann sehen wir, dass sich viele Schwächen überwinden lassen, wenn wir wirklich wollen. Wenn wir lernen und lange genug üben, können wir beinahe alle Schwächen in Stärken umwandeln.

Also geht es eher um Interessen? Darum, was uns interessiert, und was uns nicht interessiert? Doch hier sehe ich viel stärker unsere Prägung und Konditionierung im Vordergrund als unsere echten Interessen.

Es ist noch nicht lange her, da hörte ich jemanden erzählen, dass sie festgestellt habe, wie sehr sie Hausarbeit möge. Bislang war sie davon ausgegangen, dass sie das nicht tue, denn niemand mag schließlich Putzen und Kochen. Das war so sehr in ihrem Weltbild verankert, dass es sie richtig überrascht hat, als sie an sich selbst das Gegenteil entdeckte.

Wer schon einmal sehr verliebt war, hat vielleicht erlebt, wie schnell Interessen sich verschieben können. Plötzlich hat unser Schatz das interessanteste Hobby der Welt, das uns doch vorher nicht die Bohne interessierte ...

Ich habe lange geglaubt, ich möge Webinare nicht, bis ich irgendwann feststellte, dass ich es gar nicht wissen konnte - ich hatte noch nie eins gemacht.

Und wer mag schon Buchhaltung ...

Doch ich habe festgestellt, dass neben dieser Konditionierung oft noch etwas anderes steckt, wenn wir Dinge nicht gern tun.

Nämlich Angst. Angst, nicht gut genug zu sein, es nicht gut zu können, einen Fehler zu machen. Nicht das gewünschte Ergebnis (das wir von uns erwarten) zu erreichen. Oder Angst vor den Konsequenzen, z. B. Ablehnung, Kritik oder auch finanzielle Einbußen.

Zu Beginn meiner Selbstständigkeit ist es mir immer schwer gefallen, säumige Rechnungen anzumahnen. Ich hatte Angst, dass meine Kunden mich ablehnen und schließlich keine Aufträge mehr erteilen würden. Ich hatte auch Angst, im Unrecht zu sein. Ich hatte Angst, dass meine Kunden unzufrieden waren, und es mir nicht sagen wollten, stattdessen die Rechnung nicht beglichen.

All diese Ängste ließen mich glauben, ich mag es nicht, Mahnungen zu schreiben. Dabei ist Mahnungen schreiben eine ganz neutrale Tätigkeit, wenn man alle Bewertungen mal beiseite lässt. In der Regel brauchst du dazu nur einen Button drücken. Oder du druckst die Rechnung und schreibst Mahnung drüber. Oder du nimmst das Telefon und rufst den Kunden an.

Der Unwillen gegen diese Tätigkeit kommt nur durch das zustande, was wir darüber denken - oftmals sogar unbewusst.

Interessanterweise war die Angst vor den finanziellen Einbußen bei mir größer als die Angst vor Ablehnung oder ausbleibenden Aufträgen. Ich mahnte dann trotzdem. Doch dieses Thema war bei mir lange Zeit sehr stressbesetzt.

Der größte Stress kommt von woanders

Irgendwann war Mahnen für mich kein Thema mehr. Ich merkte, dass die meisten Kunden ganz unabsichtlich die Zahlung vergaßen, und ich merkte, dass kaum jemand mich angriff, weil ich eine Mahnung geschrieben hatte. Und wer es doch tat, der stellte sich in der Regel als jemand heraus, mit dem ich langfristig ohnehin nicht zusammenarbeiten wollte.

Ich überwand die Angst und damit die Prokrastination, indem ich es tat, und dabei erkannte, dass meine Angst unbegründet war.

Doch erst vor Kurzem wurde mir bewusst, dass der größte Stress, der durch eine ungeliebte Tätigkeit ausgelöst wird, noch nichtmal aus der Angst und den (erdachten) Folgen, die wir vielleicht zu befürchten haben, kommt.

Wenn ich noch tiefer gehe, erkenne ich, dass der größte Stress von den Gedanken kommt, die ich über mich habe, wenn ich darüber nachdenke, dass ich diese Tätigkeit tun sollte, während ein Teil von mir es ablehnt. Stress, der davon kommt, dass ich über die ungeliebte Tätigkeit nachdenke, während ich sie nicht tue.

Dieser Stress ist es, der die meiste Energie zockt, und der am aller-unnötigsten ist. 🙄

Wenn du weißt, dass du Mahnungen schreiben solltest, es aber nicht tust, weil du (unbewusst) Angst vor den Folgen hast, dann kommt der größte Stress aus dem Wissen, dass du Mahnungen schreiben solltest, es aber nicht tust. Der Stress kommt also von der Bewertung, die du gegen dich hast, weil du etwas nicht tust - nicht von der Tätigkeit selbst oder der Angst vor ihr.

Jedes Prokrastinieren kostet uns so unendlich viel Kraft, völlig unnötig. Nicht die Tätigkeit, die wir aufschieben, ist daran schuld, sondern dass wir uns dafür innerlich schelten und abwerten.

Dabei ist Angst und Aufschieben ganz natürlich, und kein Grund, uns als schlechte Menschen zu werten (oder gar als schlechte UnternehmerIn).

Und je mehr wir das Für und Wider in unserem Kopf hin und her schieben, je mehr wir uns darüber ärgern, dass wir es nicht einfach tun, desto stärker wird dieser Widerstand in uns, desto schwächer fühlen wir uns. Wir zerdenken das Problem und bauschen es dadurch unnötig auf. Wir geben ihm zu viel Raum, und es wird in unserer Vorstellung immer größer und unüberwindbarer.

Ja? Nein? Und dann tu es (nicht).

Hör auf, über die Tätigkeit, die du tun solltest, nachzudenken. Hör auf, dich dafür zu verurteilen, dass du sie immernoch nicht getan hast.

Vielleicht hilft es, die Angst, die hinter dem Prokrastinieren steckt, aufzudecken und dann zu hinterfragen. Doch ich glaube, viel kraftvoller ist es, dem Ganzen deine Aufmerksamkeit zu entziehen. Frage dich - willst du es tun? Ja? Nein? Ganz einfach, mach kein Drama draus, und hinterfrage dein Ja oder dein Nein auch nicht mit einem Warum.

Einfach nur "Ja" oder "Nein".

Manchmal kann diese kleine Frage erstaunliche Wirkung zeigen, wenn wir nämlich ganz erstaunt feststellen, dass wir das, was uns so auf der Seele lastet, gar nicht wirklich tun wollen. Und auch nicht müssen. Wir haben es nur auf der Agenda, weil wir glauben, dass wir es tun sollten. Weil alle es tun, weil es von uns erwartet wird, oder weil wir uns ein bestimmtes Ergebnis erhoffen.

Habe keine Angst davor, Nein zu sagen. Es ist immer deine Wahl. Erkenne deine Freiheit. Wenn es z. B. um Marketing-Maßnahmen geht: Es gibt immer noch so viele andere Möglichkeiten, und ein Nein heißt ja auch nicht für immer Nein. Aber wenn du dir die Möglichkeit schenkst, Nein zu sagen, werden dir die nächsten Schritte leichter fallen, weil du dich mehr von dir selbst respektiert fühlst.

Und wenn die Antwort Ja lautet, weil es sich z. B. um eine Fristsache handelt, bei der du keine Wahl hast, oder weil du es verdammt noch mal jetzt tun willst - dann tu es. Mach kein Drama draus. Lass alle begleitenden Gedanken und vor allem Bewertungen fallen. Tu es einfach - und hab Freude daran.

Ich glaube, wir können an allem, was wir tun (müssen), Freude haben. Wenn wir unserem inneren Kritiker, der uns antreiben oder klein machen will, einfach nicht mehr zuhören. Schick ihn auf die Ersatzbank, oder lass ihn reden. Er weiß am wenigsten, was gut für dich ist. Und dann tu es. Oder tu es nicht.

Es ist wirklich so einfach.

Alles Liebe,

💖 Bettina

Kategorien: Entspanntes Business | Schlagworte: Angst, einen Scheiß muss ich, ins Tun kommen, Müssen und Wollen, Nein sagen, Prokrastination

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