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Unzufrieden im Business? Eine etwas andere Lösung.

17.12.2020

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da war ich notorisch unzufrieden. Mit allem.

Obwohl es mir gut ging, obwohl ich - von außen gesehen - jeden Grund hatte, glücklich und zufrieden zu sein, war ich es nicht.

Ich war gestresst, nicht an dem Ort, an dem ich sein wollte (auch wenn ich keine Ahnung hatte, wo der war), ich hatte zu wenig Zeit, war nicht gesund genug, und das Geld reichte auch nie.

Am unzufriedensten war ich im Business. Alles kostete mich zu viel Zeit, überall kam zu wenig bei herum, meine Marketing-Maßnahmen liefen ins Leere, meine Mitarbeiter machten Fehler, und von meinen Kunden wollte ich gar nicht erst reden. Sie stellten viel zu hohe Anforderungen an mich, zahlten spät, wollten immer die ganze Hand, wo ich den kleinen Finger angeboten hatte. Und Danke sagten sie sowieso nie.

Instinktiv versuchte ich, meine Situation im Außen zu verbessern, so wie die meisten von uns das tun. Ich überlegte, wie ich Zeit sparen könnte, suchte mir entspannende Hobbies, plante mehr Pausen, baute mein Business um. Doch all das half nicht oder nur ganz begrenzt. Die Dinge, die Unzufriedenheit in mir hervorriefen, schienen nachzuwachsen.

Der herkömmliche Weg, zufriedener zu werden

Ich glaubte, um zufriedener zu werden, müsse ich aktiv werden und die Herde meiner Unzufriedenheit beseitigen. Ich müsse mein Leben eben so gestalten, dass ich damit zufrieden sein kann.

Ich glaubte - wie die meisten es tun - Unzufriedenheit sei ein Zeichen dafür, dass mein Leben noch nicht perfekt sei. Ich glaubte, sie sei ein Zeichen dafür, dass ich noch nicht mein Leben lebte. Ich glaubte, es sei meine Aufgabe, es mir hier auf der Erde richtig schön zu machen.

Also strengte ich mich immer mehr an. Optimierte mein Leben durch.

Irgendwann hörte ich, meine Realität entstehe von innen nach außen, also begann ich, mich selbst zu optimieren und weiterzuentwickeln. Ich arbeitete an mir, an meinen Wünschen, an meinen Ängsten und Blockaden, an meinen Glaubenssätzen. Ich dachte, alles, was mir fehlt, sei das richtige Mindset. Ich glaubte, ich müsse halt die richtigen Kunden anziehen. Dann glaubte ich, ich müsse halt meine Angebote überarbeiten. Höhere Preise nehmen und klarere Absprachen treffen. Dann glaubte ich wiederum, ich sei sowieso in der völlig falschen Branche unterwegs - das was ich tue, wollte ich nie machen.

Ich fühlte mich als Opfer des Schicksals, oder im besten Fall als jemand, der viel zu oft falsche Entscheidungen getroffen hatte.

Ein Wettlauf gegen mich selbst

Die Vielzahl der Unzufriedenheitsquellen erschöpfte mich immer mehr. Es fühlte sich an wie ein Wettlauf, den ich nicht gewinnen konnte. Immer, wenn ich glaubte, mein Knoten sei geplatzt und ich hätte endlich etwas erreicht, womit ich zufrieden sein konnte, tauchten unweigerlich neue Dinge auf, die mir so nicht gefielen.

Aber ich war überzeugt davon, dass sie mir gefallen müssten. Schließlich leben wir in einer Welt, in der wir alles haben können. Wir sind Schöpfer. Nur ich schien irgendwie zu dumm dazu zu sein.

Irgendwann wurde ich unzufrieden damit, dass alles so anstrengend war. Ich meine, ich bin keine 25 mehr, da darf das Leben schon langsam ein bißchen ruhiger werden. Ich wollte mich nicht mehr so anstrengen.

Und plötzlich steckte ich in einer tiefen Zwickmühle. Ich war unzufrieden, ich wusste, ich bin Schöpfer, und gleichzeitig hatte ich keine Lust mehr, meiner Zufriedenheit hinterher zu rennen. Was sollte ich bloß tun?

Es ist viel einfacher als du denkst

In ihrem Buch "Das Beziehungshandbuch" beschreiben Linda und George Pransky, was passiert, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf Unzufriedenheit lenken. Sie erzählen die Geschichte eines Unternehmers, der in einem Seminar lernt, wie wichtig es sei, Unzufriedenheit nicht in sich hineinzufressen, sondern klar und deutlich zu äußern. Wie sollte sich sonst schließlich etwas ändern?

Er führte "Aussprache-Sitzungen" ein, damit jeder seinem Unmut Luft verschaffen konnte.

Binnen weniger Wochen veränderte sich das Klima in seinem Unternehmen drastisch - und zwar genau in die entgegengesetzte Richtung als er bewirken wollte.

Aus seinen bis dato zufriedenen Mitarbeitern wurden unzufriedene Nörgler, die zudem die Punkte, an denen sie Unzufriedenheit verspürten, mit wachsender Ernsthaftigkeit bekämpften.

George und Linda Pransky erzählen auch von einem Paar mit großen Beziehungsproblemen, das ein ungewöhnliches Experiment wagte: Einen Tag lang wollten sie sämtliche Unzufriedenheit für sich behalten, und nur nett zueinander sein. Während es am Beginn des Tages eine fast unüberwindbare Anstrengung zu sein schien, hatte sich die Beziehung bereits spürbar verbessert, als der Abend anbrach. In weniger als 24 Stunden hatten sie ein warmes Gefühl zueinander wiederherstellen können, einfach indem sie ihre Nörgeleien für sich behielten.

Unzufriedenheit geht weg, wenn wir ihr den Nährboden entziehen. Wenn wir aufhören, über sie nachzudenken. Das ist total kontraintuitiv - wie sollen Probleme weggehen, wenn wir uns weigern, sie anzuschauen und anzusprechen?

Aber das Erstaunliche ist: Es funktioniert. Selbst wenn wir nicht daran glauben und sogar, wenn wir es nur ganz halbherzig tun. Das habe ich in den letzten 12 Monaten mehrfach beobachten können.

Was passiert, wenn wir uns mit Unzufriedenheit beschäftigen

Werfen wir einen Blick auf die Quantenphysik, wird sofort klar: Worauf wir unsere Aufmerksamkeit legen, dahin fließt die Energie. Ich sehe hier eines unserer größten Missverständnisse. Denn ich habe immer geglaubt, ich müsse meine Energie in Form von Aufmerksamkeit in meine Probleme fließen lassen, damit diese sich auflösen können. Doch das ist ein Irrtum. Probleme werden mehr, je mehr Aufmerksamkeit wir ihnen schenken.

Wir können das Phänomen der wachsenden Unzufriedenheit auch aus dem Blickwinkel der Hirnforschung erklären. Wir alle nehmen nur einen klitzekleinen Ausschnitt aus unserer Realität bewusst wahr. Wir können - eingeschränkt - entscheiden, welcher Ausschnitt das ist.

Eingeschränkt, weil wir es nicht kontrollieren, aber eben doch beeinflussen können.

Du kannst dir das ein bißchen vorstellen wie Facebook. Alles, was öfter ein Like von dir bekommt, wird vermehrt an dich ausgespielt. Du wählst aus einem riesigen Repertoire deine Lieblingsgedanken und deine Lieblingswahrnehmungen. Und das Leben liefert nach deinen Wünschen.

Legst du deine Aufmerksamkeit auf Probleme oder Unzufriedenheit, liefert das Leben dir mehr davon. So einfach.

So war es auch in besagtem Unternehmen. Der Chef beraumte regelmäßige Meetings an, in denen die Mitarbeiter ihrem Unmut Luft machen konnten. Während beim ersten Meeting kaum jemandem etwas einfiel, und die Sitzung ziemlich schnell beendet war, wuchsen die Themen von Mal zu Mal enorm an, bis das Meeting irgendwann abgebrochen werden musste, weil es zu viel Zeit fraß.

Die Mitarbeiter hatten in der Zwischenzeit ihre Aufmerksamkeit mehr und mehr auf die Punkte gelegt, mit denen sie unzufrieden waren - und statt sie zu lösen, direkt mit ins Meeting gebracht.

Konzentriere dich auf das Gute

Wie gesagt, es ist äußerst kontraintuitiv, Probleme auszublenden, damit sie verschwinden können. Es widerspricht dem, was wir üblicherweise glauben und gelernt haben.

Ich habe im Sommer dazu ein Experiment gemacht und drei Monate lang nur noch gemacht, was ich wollte. Alle Probleme habe ich dabei ausgeblendet - oder es zumindest versucht. Es fühlte sich sehr seltsam an, als wäre ich verantwortungslos oder zumindest doch ein wenig realitätsfern. (Ich habe über meine Beobachtungen und Erkenntnisse ein Buch geschrieben, das Anfang 2021 erscheint.)

Was geschah, war phänomenal: Die meisten Probleme verschwanden von allein, teilweise über Nacht - und es tauchten keine neuen auf, die sie ersetzten. Mein Leben wurde plötzlich wirklich leicht und vieles wurde erstaunlich einfach.

Ich erinnere mich noch genau an das erste Mal, da ich auf diesen - für mich revolutionären - Ansatz stieß. Im Herbst 2019, also vor einem guten Jahr, hatten mein Mann und ich massive Probleme in der Ehe, die keine Paarberatung, kein Coaching und keine "Aussprache-Übung" beheben konnte.

Heute weiß ich natürlich, warum: Wir arbeiteten an unseren Problemen (statt über sie hinauszuwachsen, wie George und Linda Pransky es so schön formulieren).

Als ich "Das Beziehungshandbuch" las, hatte ich fortwährend diesen Gedanken: Wie soll das gehen? Wie soll ich zufrieden mit jemandem sein, mit dem ich nicht zufrieden bin? Ist das nicht Heuchlerei? Rede ich mir da nicht etwas zu viel ein?

Es kam mir ein bißchen vor wie Selbstbetrug.

Aber es war unsere letzte Chance. Die herkömmlichen Wege hatten wir alle schon probiert. Warum also nicht, was sollte schon passieren?

Das Kuriose war - es passierte fast von allein, ohne dass ich willentlich etwas tun musste. Nur indem ich das Buch las, veränderte sich meine Realität, und plötzlich konnte ich nicht mehr verstehen, worüber ich mich vorher so aufgeregt hatte. Die Quellen meiner Unzufriedenheit lösten sich - quasi vor meinen Augen - in Luft auf.

Womit ich zum letzten und wichtigsten Punkt komme:

Es gibt nichts zu tun, nur etwas zu sehen

Natürlich können wir willentlich auf diese Weise unser Leben und unser Business verändern. Wir können unsere Willenskraft nutzen, um unseren Blick gezielt von Problemen wegzulenken.

Manchmal wird sich das aber ein bißchen anfühlen, als würden wir etwas verdrängen. Und manchmal wird all unsere Willenskraft nicht ausreichen, denn Willenskraft ist nicht unbegrenzt verfügbar.

Wie gesagt, wir können nicht kontrollieren, was wir denken. Und auch nicht, wohin unsere Aufmerksamkeit fließt. Wenn wir es versuchen, wird das eben wiederum viel Aufmerksamkeit fressen und anstrengend sein.

Tatsächlich geht es viel einfacher.

Der Schlüssel ist eine tiefe Erkenntnis, die dir eine neue Sicht auf das Leben schenkt. Plötzlich erkennst du, was du vorher nur im Kopf wusstest. Du weißt es nicht mehr nur, sondern du kannst es auf einmal sehen oder fühlen. Michael Neill vergleicht es damit, einen Witz zu verstehen, also nicht nur intellektuell, sondern so, dass er wirklich witzig ist.

Im November 2019 - nach meinem Erlebnis in meiner Ehe - beschäftigte ich mich tiefer mit den 3 Principles, auf denen auch das Beziehungshandbuch basiert. Ich wollte genauer wissen, was dahinter steckt, wenn es solche Wunder bewirken kann, die monatelanges Arbeiten an uns nicht hervorbringen konnte.

Ich las einige Bücher und tauchte tiefer in die "3 Prinzipien des Lebens".

Das Ergebnis war eine tiefe Erkenntnis über mich und mein Leben. Alles war gut und ich war bereits erfolgreich, obwohl ich seit vielen Monaten das Gefühl hatte, dass es nicht so ist. Es war, als hätte ich seit langer Zeit nach etwas gesucht, das sich direkt vor meiner Nase befand. Und ich konnte nicht glauben, dass ich es so lange hatte übersehen können.

Der Punkt ist, ich konnte es plötzlich sehen. Ich wusste es nicht nur im Kopf, ich redete es mir nicht nur selbst ein, sondern ich fühlte es. Das ist ein riesiger Unterschied.

Wenn jemand anders von außen kommt und sagt - du kannst doch zufrieden sein, dein Business läuft doch - dann kann es sein, dass du ihn verstehst. Dein Business läuft ja auch, und du kannst deine Miete bezahlen, und es kommt immer mal wieder ein Auftrag rein. Aber irgendwie passt es nicht. Es könnten mehr Aufträge sein. Es könnte mehr Freude machen. Es könnte leichter gehen. Du könntest sichtbarer sein. Deine Kunden könnten netter sein. Und so weiter.

Alles ist gut - du verstehst das im Kopf, aber die Unzufriedenheit bleibt, denn du fühlst es nicht.

Wenn du es siehst, ist es anders. Plötzlich öffnet sich für dich eine neue Realität.

Du schweigst die Unzufriedenheit nicht tot, du gibst dich nicht zufrieden, sondern sie ist plötzlich einfach nicht mehr da. Sie ist verschwunden.

Auf einmal kannst du nicht mehr verstehen, worüber du unzufrieden warst.

Der geniale Nebeneffekt

Der geniale Nebeneffekt ist - plötzlich läuft es. Der Knoten ist geplatzt. Plötzlich geht es leicht, plötzlich hast du nette Kunden, plötzlich stimmt der Umsatz, die Aufträge trudeln nur so rein. Es scheint, als hättest du es endlich verstanden. Was ja auch der Fall ist - nur eben anders als du immer dachtest.

Nicht durch Studium und Lernen, nicht durch Anstrengung, sondern durch Erkenntnis.

Ich kann es nicht erklären. Man könnte sagen, es liegt daran, dass wir einfach nicht mehr darüber nachdenken. Man könnte sagen, du stehst dir nicht mehr selbst im Weg. Man könnte sagen, du legst deine Aufmerksamkeit und Energie auf die Dinge, die wirklich wichtig sind - statt auf Probleme und Unzufriedenheit.

Es ist auch egal.

Fakt ist, es ist so.

Das Leben entfaltet sich von innen nach außen. Was du im Innen bist, siehst du im Außen. So einfach ist das.

War es schon immer. Wir haben es nur falsch verstanden.

Wenn es schwer geht, hör auf darüber nachzudenken und schau nach innen.

Alles Liebe,

💖 Bettina

PS: Möchtest du mehr in diese Richtung schauen? Dann ist ein 1:1 Mentoring vielleicht das Richtige für dich. Schau mal hier.

Kategorien: Entspanntes Business | Schlagworte: Achtsamkeit, erfolgreich sein, Innere Weisheit, Kommunikation verbessern, Zufriedenheit

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Kommentare

Martina von http://www.martina.toemoe.com sagt:

18.12.2020 um 07:36 Uhr

Dieser Artikel erinnert mich an die Geschichte mit den zwei Wölfen in meiner Brust...der den ich füttere gewinnt! Wie Du so schön schreibst...die Energie folgt der Aufmerksamkeit! Danke fürs Teilen Deiner Erfahrungen!

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